BalkanBeats – Presse

REVIEW: BB3 @ globalsounds

Kann die bewährte Formel zum dritten mal aufgehen? Sie tut’s und bringt auch noch Überraschungen.Man könnte denken, dass die Formel: Balkan-Grooves, plus traditionelle Melodie, plus Technologie und das Ganze tempomässig noch etwas hochgeschraubt, seinen Zenith längst erreicht hat. Noch nicht ganz kann man nach dieser Zusammenstellung sagen – mit einer Einschränkung: Wo Sequenzer vorlaut den Ton angeben ist die Luft etwas dünn geworden. Nichts gegen die Mischpult-Artisten wie Max Pashm oder Shantel, die machen perfekte Mixes für den Dancefloor.Aber: Je akustischer die Aufnahmen, je weniger stromlinienförmig getuned, umso ansteckender die Songs. Die musikalischen Überraschungen stammen von den “richtigen” Bands. Parno Graszt treiben die Tanzbeine veitstanzmässig an, Damian & Brothers zeigen rhythmische Exaktheit jenseits der harten, stichelnden Blechbläsern. Und dass ein Schuss Ska aufheiternd wirken kann beweisen die Mailänder «Figli Di Madre Ignota». Aus dem Balkan kommt sicher noch manche musikalische Überraschung. Da darf der Mastermind der Reihe, DJ Soko, gerne noch ein weiteres Mal in seinen Plattenkisten wühlen.

Quelle: http://www.globalsounds.info/2009/04/balkanbeats-3/

REVIEW: BB3 @ TRUST

Kaum noch notwendig, das hier vorzustellen: Zum dritten Mal versammelt Eastblok Bekanntes und weniger Bekanntes, was sich mit den beliebten Balkan-Rhythmen befasst. Erfreut dürfen wir feststellen, dass hier auch die New Yorker Slavic Soul Party vertreten ist, die vielen einschlägig verdächtigen Witze, pardon -vice (Goran Brego-, Boban Marko-) sind natürlich auch dabei, darüber hinaus bleibt festzuhalten, dass hier neben traditionellen Tönen auch Remixe vertreten sind und die ganze Chose nach wie vor durchaus Laune macht.

(stone)

Eastblok/Indigo (Ausgabe 130)

REVIEW: BB2 @ TRUST

DJ Soko (mit Häkchen überm S, also wohl Schoko mit weichem SCH gesprochen) ist der Resident der Balkan Beats, einer Partyreihe, die Schule machte. Neben den Klassikern Boban Marcovic, Besh O Drom, Fanfare Ciocarlia und Emir Kusturicas No Smoking Orchestra, fächert sich hier ein bunterReigen zwischen türkischen Klängen, Zigeunermusik, Jazz und meines nach meiner Einschätzung zunehmend westlichen Einflüssen wie HipHop und Ragga.

(stone)

Eastblok/Indigo (Ausgabe 120)

Songlines Magazine; Issue 54, Aug./Sept.2008

The series that goes from strength to strength

Where would European Folk Music be without Gypsies and Jews? That’s the Question that hits me as the fiddle whines through Ot Azoj Klezmer Band’s “Turkish Honga”. Despite the best efforts of reactionaries, Gypsy and Jewish music is still at the heart of European folk. The sound of Balkan folk music has gone global in the last few years, and this is evident on the fact that most of the bands on this excellent compilation are not from the Balkans, though are very much Balkan at heart. Brass is the bedrock of Balkan Beats Vol.3, as it has been for the first two volumes of this series by DJ Robert Soko, who has been bringing a Balkan brass party to Berlin’s Mudd Club for years. This disc incorporates Balkan acts – greats such as Bregovic and Boban Markovic, Bosnia’s No Smoking Orchestra and Hungary’s Parno Graszt, plus Romengo – among a knowing bunch of Western fusionists and DJs. Have no fear though – his ear for great music is good. There is fiddle, wonderful drumming and periods of calm that give the much punchier moments their impact.

You might suspect the formula would have dulled over time, but this is music that has stayed fresh for centuries. Balkan Beats Vol.3 has the perfect mix of electronic and traditional. And Soko knows how to change tempo or mood at the right moment: the wonderful voice of Monika Lakatos opens the final track, “Naj Ma Shela” like a soothing balm after the scorching brass.

(Nathaniel Handy)

Jazzdimensions.de 08/08

Da wo sich andere Musiker, stilistisch, vermutlich Grenzen setzen, fängt das Amüsement bei „BalkanBeats“ erst an. Jazz wird mit Roma-Musik kombiniert, Ska mit Folkpop-Rhythmen gemischt, und Klezmer mit Brass. Hier geht, völlig vorurteilsfrei, ausnahmslos alles. Die gesamte Zusammenstellung klingt außerdem noch ziemlich gut. Sie ist so herrlich originell, erfrischend und unberechenbar verrückt, dass man/frau und Co. sich ihr nur schwerlich entziehen können.

Was vor einigen Jahren noch in der Berliner Untergrund-Szene begann, hat sich mittlerweile zu einer internationalen Kultmarke entwickelt. Für Liebhaber und Kenner des osteuropäischen Raumes ist DJ Sokos Selektion ein fester Bestandteil der Kultur und aus dem Leben sicherlich nicht mehr wegzudenken. Was durchaus sehr deutlich nachvollziehbar ist.

Allein das CD-Cover verrät schon vorab viel über den Inhalt. Die Passion, das pure Fieber ist den Spielern in die Gesichter geschrieben. Völlig losgelöst spielt jeder einzelne Musiker sein Instrument, nichts außer dem Klang scheint mehr im Raum zu sein. Sie spielen um der Musik willen, so als würde es um die eigene Existenz gehen.

„BalkanBeats“ ist die klare osteuropäische Antwort auf dem westlichen Musikmarkt. Zudem, parallel im Kontext der EU-Osterweiterung, eine ganz subtile kulturelle Brücke. Die CD ist bestückt mit fünfzehn unverwechselbaren Unikaten. Mit Musikern und Komponisten, die schon recht bekannt sind, wie Goran Bregovic, und solchen, für die man sich noch ein größeres Gehör wünscht.

(Elizabeth Ok)

www.jazzdimensions.de

afterdark.de 01.08.2008

Balkan Beats 3- Various Artists (ts) In der dritten Runde schon. Gratulation und Freude unsererseits sei DJ Soko und seinem Anhang sicher. Stilsicher und ausgereifter als auf den beiden Vorgängern werden hier zum wiederholten Male die eigensinnig-vielseitigen Facetten des urbanen tanzbaren Gypsy und Brass Sounds aus Südosteuropa präsentiert. Durch das Programm führen u.a. Shantel und das Boban Markovi Orkestar, Emir Kusturica und das No Smoking Orchestra sowie das Orchester von Goran Bregovi. Ein beeindruckender Melting Pot aus traditionellem Sound und ein Gewächs aus Klezmer, Disco, Elektro, Jazz und südosteuropäischer Leichtigkeit entfachen aufregende und exotische Partynächte.

(Eastblok/***) (www.afterdark.de)

BalkanBeats vol. 3, www.ox-fanzine.de

ox-fanzine online Review: BALKANBEATS VOL. 3 (CD | Eastblok/Indigo | eastblok.de | 60:03) Artist: V.A.

Weltmusik muss beileibe nicht wohnzimmertauglich oder langsam und trocken sein. Folglich ist man bei der Serie „Balkanbeats“ mittlerweile schon bei Vol. 3 angelangt. Rasant und temporeich, wie der Darm nach einer Überdosis feuriger serbischer Bohnensuppe reagiert, jagen auf „Balkanbeats Vol. 3“ 15 Bands durch den Schmelztiegel der Nationen und Kulturen. Ekstatisch wippend, tanzend, springend oder begeistert schreiend geht es durch Klezmer, Ska, Polka und Gypsy-Punk. Dabei müssen die Protagonisten gar nicht auf dem Balkan beheimatet sein, wie SLAVIC SOUL PARTY! aus den USA, SLONOVSKI BAL und WATCHA CLAN aus Frankreich, ÄL JAWALA aus Freiburg oder die Amsterdamer OT AZOJ KLEZMER BAND eindrucksvoll belegen. Dazu gibt es ein zweisprachiges,
28 Seiten starkes Booklet mit Fotos und Infos zu den jeweiligen Bands. (8)

(Kay Wedel)
Ox-Fanzine / Ausgabe #78

BalkanBeats Vol.3 (Ox-Fanzine #78, Juni 2008)

V.A. Balkanbeats Vol. 3

CD | Eastblok/Indigo | eastblok.de | 60:01 ||

Im Ausgraben kompromisslos leidenschaftlicher Musik sind DJ Robert Soko und das Eastblok-Label echte Cracks. Ihre Entdeckungen präsentieren sie regelmäßig auf den Balkanbeats- Partys in Berlin, Paris, Amsterdam und London, wo dann auch gleich mal der Freibrief zum Ausrasten inklusiveist. Wer sich hinterher wieder erinnern möchte, welche Musik am Abend lief, der kann sich im eigenen Wohnzimmer mit dem Sampler wahlweise Herz, Beine oder Schweißdrüsen stimulieren lassen. Überwiegend osteuropäische Künstler, manchmal so bekannte wie THE NO SMOKING ORCHESTRA und
Goran Bregovic, aber auch weniger geläufige Bands wie ROMENGO aus Ungarn tummeln sich auf der Zusammenstellung, für manche Bands ist es die erste Veröffentlichung im Westen. Verkopfte Massentauglichkeit sucht man vergebens, ebenso wie vergleichbare Sampler, die dem Eastblok-Niveau standhalten können.

(7) Katrin Schneider
OX #78, Juni 2008

BalkanBeats vol.3 (sound-and-rythm 06/08)

Die Nachfrage bestimmt das Angebot. Viele haben nachgefragt und DJ Robert Soko vom Berliner Mudd-Club hat geantwortet. BalkanBeats Volume 3 ist da. In den letzten eineinhalb Jahren hat sich einiges an Neuigkeiten angehäuft in seinem Plattenkoffer und die Essenz davon dürfen wir nun genießen. Das Balkan-Fieber kennt scheinbar keine Obergrenze, 15 neue Tracks stehen diesmal zur Disposition. Allesamt Kracher, die einen gemächlicher, die anderen brennen wie Zunder. Zum Beispiel Track Nr. 3: Kiril feat. MC Wasp & Rucl. Ein absolutes Brett und Garant für einen Boxenstopp beim Car-HiFi-Spezialisten wegen durchgeknallter Lautsprechermembranen. Wenn wir schon grade bei der Disse in der Fahrgastzelle sind: Im Zaum halten sollte man seinen Bleifuss allerdings auch bei Goran Bregovics „Gas Gas“. Fällt sicher schwer, kommt aber billiger als nach der nächsten Radar-Kiste. Ja und so geht’s gerade weiter. Soko zaubert einen Party-Kracher nach dem anderen aus der Tüte. Und es sind vor allem die „No-Names”, die so viel blechernes Lustgefühl verbreiten. Ein gewisser Max Pashm beispielsweise kreierte den perfekten Soundtrack für eine Busfahrt von Belgrad nach Guca, und wer im Grenzland zwischen Ungarn und Rumänien aus seinem Ghetto-Blaster den Parno Graszt plärren lässt, hat sicher im Nu eine Spontan-Tanzveranstaltung eröffnet. Glaubt eigentlich einer im Ernst, im Spaghetti-Land gibt’s keine famose Roma-Kombo? Die „Figli di Madre Ignota” belehren uns eines Besseren. Surf-Ska à la Balkanese und nur vom Feinsten. Das waren wie gesagt nur einige Appetizer. 60 Minuten Hochstimmung ohne Reue und besser als jedes selbstgebastelte Mixtape.

BalkanBeats vol.3 CD der Woche (Radio Multikulti 12.05.2008)

VARIOUS ARTISTS – „Balkan Beats Volume 3“

(Eastblok Music)

Als sich 1989 der eiserne Vorhang hob, hätte eigentlich alles gut werden sollen. Die Sehnsucht danach war wohl eher naiv, denn schon bald wuchs das Wissen um politische Altlasten. Die selbstbestimmten Nationalstaaten der Südslawen waren nie von Dauer, und diese Länder litten am Erbe der vielfältigen geschichtlichen Wechselfälle. Sie waren der Spielball der Mächtigen unter osmanischer Herrschaft oder der Zankapfel zwischen Russland und der österreichischen Doppelmonarchie. Stets war die südosteuropäische Region, im Volksmund gern auch als Balkan bezeichnet, Durchgangsterrain. Besondere Kennzeichen laut den gängigen Vorurteilen: ein bisschen Schmutz und ein bisschen Korruption.

Der Vielvölkerstaat von Josip „Tito“ Broz funktioniert so lange einigermaßen gut, wie der Chef selber die Fäden in der Hand hielt. Anfang der Neunziger jedoch geht das Yugoland aus den Fugen. Die vor dem Kriegsgemetzel Geflüchteten suchen ihr Glück woanders – etliche auch in Berlin.

Einer von ihnen ist der Bosnier Robert Šoko. Als klingende Assimilierungshilfe für sich selbst und andere Yugo-Exilanten etabliert er in der Kreuzberger Underground-Bar Arcanoa Tanznächte mit Balkan-Sounds. Schon bald aber locken die „BalkanBeats“ auch Nicht-Balkanesen zur Musik von Brass Bands und Zigeunermusik auf den Dancefloor. Was eben noch fern und exotisch klang, ist jetzt absolut hip. Längst legen DJ Šoko und sein Team nicht mehr nur in Berlin auf, sondern sind auch ein gefeierter Exportartikel bei „Balkanbeats“-Partys in Amsterdam, Paris, London, bis nach New York und Los Angeles.

Für die schiere Energie, die Urwüchsigkeit und die Kraft der Klänge und Rhythmen verbürgen sich auf „BalkanBeats Vol. 3“ international bekannte Größen wie Shantel plus Boban Markovic Orkestar, Emir Kusturicas No Smoking Orchestra und das Orchester von Goran Bregovic. Aber auch die weniger bekannten Namen haben es in sich und sind die Entdeckung absolut wert – darunter Magnifico, Parno Graszt und Romengo. Einige von ihnen beweisen überdies, dass das Balkanische nicht mehr nur in Südosteuropa zu Hause ist, sondern fernab von dort eigene, neue Wurzeln geschlagen hat wie im Fall der südfranzösischen Band Watcha Clan oder der New Yorker Formation Slavic Soul Party.

Schon immer hat sich die Balkan-Musik der stilistischen Einordnung entzogen. Was über Jahrhunderte hinweg durch die Region gezogen ist, hat seine Spuren hinterlassen. Slawisches, der Orient, Jüdisches. Und immer wieder die Roma-Musiker, die fürs blanke Überleben mixten, was gerade verlangt wurde. Die BalkanBeats stehen in dieser kosmopolitischen Tradition, erforschen den Sound bis in seine Verästelungen und bringen seinen bisweilen etwas rumpelnden Charme in die Clubs und auf den Dancefloor – aufregend, raffiniert und virtuos.

BalkanBeats vol.3 CD der Woche (WDR Funkhaus Europa, 12.05.2008)

Balkanbeats Volume 3

Various Artists

Das Gesetz der Serie beschreibt eigentlich die Wiederholungen im Leben, und ist somit auch dafür verantwortlich, dass ein einigermaßen erfolgreicher Sampler nicht ohne Folgen bleibt.
Das Ergebnis sind normalerweise unzählige schlechte Remakes einer guten Idee, nicht so jedoch bei der 2005 gestarteten CD-Reihe „Balkanbeats“ von Robert Soko. Volume 3 ist das groovende Gegenargument, besser als die beiden Vorgänger zusammen, ein überquellender Lostopf mit Balkanmusik, der keine einzige Niete, dafür aber so einige exklusive Tracks enthält. Shantel hat einen herrlichen Disco-Schuhplattler-Remix hergegeben, der bislang nur in einer Mini-Auflage auf Vinyl erschienen war und längst vergriffen ist; Emir Kusturicas No Smoking Orchestra ist mit einem Song zu hören, der nur auf dem serbischen Soundtrack zu „Life is a miracle“ existiert (warum er auf der deutschen Ausgabe fehlt, ist geradezu mysteriös); den Balkan-Evergreen „Opa Cupa“ herz- und hüftbewegend gesungen und gespielt von der Slavic Soul Party aus New York gibt’s hierzulande auf keinem Tonträger und Kiril Dzajkovski hat einen Track beigesteuert, der erst in Zukunft auf seinem eigenen Album veröffentlicht wird.

Der Komponist aus Skopje ist nicht nur einer der bekanntesten Musiker in seiner Heimat Mazedonien, er hat auch einige Soundtracks für Western, Thriller oder zuletzt das Balkan-Kriegsdrama „Bal-Can-Can“ von Darko Mitrevski produziert. Kiril war schon auf „Balkanbeats Volume 2“ dabei, liefert aber für Teil 3 mit „Jungle Shadow“ das Hammerstück: Treibende Beats, eine Balkanbrass-Section, die mit den Blasinstrumenten zu rappen scheint und dazu der aus Melbourne stammende MC Waps mit seinen Sprachkaskaden am Mikrofon.

Robert Soko alias DJ Soko ist seinem System der interaktiven Auswahl treu geblieben, was auf dem Dancefloor am besten funktioniert, hat gute Chancen auf einem seiner Sampler zu landen. Die alte Frage, ob man als DJ auch Künstler oder vor allem Dienstleister ist, beantwortet er mit seinen Cluberfahrungen. Schließlich legt der Mann seit 1993 regelmäßig auf, zuerst nur in der Arcanoa-Bar in Berlin, inzwischen europaweit zwischen Prag und Paris. In der französischen Hauptstadt steht Soko einmal monatlich im La Java an den Plattentellern, einem legendären Club, indem Edith Piaf ihre ersten Schritte auf der Bühne machte und Django Reinhardt als Achtzehnjähriger aufgetreten ist.

Die rabiate, rasante, radikale Energie der Musik ist unverändert, die Mixtur aus Groove und Gefühl stimmt nach wie vor, neu ist lediglich, dass das Spektrum der Künstler erweitert wurde. Die Bands kommen jetzt nicht mehr nur aus Ungarn, Rumänien, Österreich oder dem gesamten ehemaligen Vielvölkerstaat Jugoslawien, sondern auch aus den USA, den Niederlanden (Ot Azoj), Deutschland (Äl Jawala), Italien (Figli di madre ignota), England (Max Pashm) oder Frankreich (Watcha Clan und Slovanski Bal). „Mittlerweile gibt es mindestens 30 Bands allein in Paris, die sich mit Balkanmusik beschäftigen. Die Franzosen sind auf den Geschmack gekommen und bringen ihr eigenes Savoir Vivre rein.“, sagt Robert Soko und meint damit Akkordeon-Sounds, den Walzer-Takt der Musette oder den Gypsy-Swing der Manouches, der in Frankreich lebenden Roma. Da der Balkan für den in Bosnien geborenen Sohn einer serbischen Mutter und eines kroatischen Vaters, ohnehin eine Utopie ist, hat er seine Arme geöffnet und ihn erweitert.

„Der Balkan, das sind viele verschiedene Sachen, die aufeinanderprallen und etwas Neues ergeben. In den Neunziger Jahren war Balkan Milosevic, Krieg, Kroatien, Blut, Massengräber … und jetzt ist der Balkan im Club angekommen und hat allmählich ein positives Profil. Fast jede Stadt in Deutschland, in Europa hat einen eigenen Balkan-DJ oder ein Balkan-Event – das finde ich schön“. Wir auch Robert Soko, bitte weitermachen mit den Worldwide Balkanbeats.

Autor: Anna-Bianca Krause

Balkan Beats Volume 3 (5/2008 Glitterhouse)

V.A. – Balkan Beats Volume 3

2008er, wieder Stoff aus den DJ-Nächten von R.Soko im Berliner Mudd-Club. Klasse! Trotz 15 Interpreten (u.a. Shantel feat. Boban Markovic, Magnifico, Goran Bregovic) halbwegs homogen, weil alle Melodien in (Gypsy-)Balkan(Brass-)-Traditionen gründen (6 Traditionals). Und die sind oft richtig eingängig, die Stücke immer wieder mitreißend, äußerst tanzbar (und meist sehr schnell), schmissig, gutgelaunt. Die Umsetzung ist mal ganz leicht modernisiert, mal etwas stärker, 2,3 mal ziemlich massiv; mittels Electrobeats/Club-Grooves, Dancehall-, Rock-, Reggae-, Ska-Einflüssen, einem Hauch Dub, auch mal Synthies/Electronics. Im Vordergrund stehen jedoch Bläser und Gesang, z.T. auch Akkordeon, Geige, Ak./E-Gitarre. 2x fast ohne Modernismen, ganz toll: Romengo, fabelhafte Sängerin. Tip.(dvd)

Text: Detlev von Duhn

Grenzenloser Spass für den Sommer – BalkanBeats Vol.3 (Wahrschauer 15/2008)

Grenzenloser Spaß für den Sommer!

Bickenbach: Mit Grenzen ist es ja so eine Sache. Eigentlich kennt man sie nur an Orten, wo Menschen Landstücke voneinander trennen möchten. Bei Staaten und Kontinenten im großen Stil, aber auch zwischen Gemeinden und hässlichen Schrebergärtchen, zwischen Bahndamm und Müllkippe zieht der Mensch Grenzen. Und er geht damit noch weiter. Andere Grenzen baut er sich sogar in den Kopf; damit schützt er sich vor Toleranz und Mitdenken.
Und auch vor interessanten Neuigkeiten und einer Menge Spaß. Das nennt man dann Schubladendenken. In der Musik zum Beispiel funktioniert das ausgezeichnet. Wer Punk hört, kann nicht gleichzeitig Metalfan sein. Weil Punk und Metal totaaal verschieden sind und überhauptgarkeineklitzekleine Gemeinsamkeit haben. Hierbei sind Punk und Metal rein zufällig gewählt. Man kann auch jedes andere Genre einsetzen und behält immer Recht – Behält man das aber tatsächlich? Naaa? Okay, wenn ich schon so frage: Quark, natürlich nicht. Die Musik ist voll von Beweisen, jede Platte weist bei genauer Betrachtung mindestens zwei Einflüsse auf. Es sei denn, es ist eine wirklich dumme und langweilige Platte. Wir reden hier allerdings von guten Platten. Von solchen, um ein Beispiel zu nennen, wie “Balkan Beats Volume 3“, die Robert Soko zusammengestellt hat.. Das wäre dann sogar eine sehr gute Platte. Auf Grenzen, egal ob zwischen Ost und West, neu und alt, handgemacht oder elektronisch, wird hier nämlich gänzlich verzichtet. Und das funktioniert! Wer elektronische Beats und Punk, Klezmer und Rock’n’Roll, Folk und harte Gitarren für unvereinbar hält, sollte auf jeden Fall ein Ohr riskieren. Alles ist möglich. Wenn man sich nicht von sinnlosen, willkürlichen, alles erschwerenden Grenzen Spaß und Denken verbieten lässt. Der hörbare Beweis jedenfalls liegt in Teil Drei der genialen “Balkan Beats“-Reihe von Eastblok/Indigo vor. Besorgt Euch das Ding und ihr habt den Soundtrack für den Sommer. Ein buchstäblich grenzenloser Spaß!

Autor: johnniecolt

Steamy BalkanBeats Vol.3 (www.beastnation.com 09.04.2008)

Eastblok Releases Steamy Balkanbeats

Balkanbeats are hot these days, what with Gogol Bordello, Balkan Beatbox, Goran Bregovic and others cashing in on the West’s desire to let loose, turn into wild gypsy brides and go beastly to pumped-up brass, Klezmer grooves, ethnic tunes, trash-pop, bagpipes and other synthesis of guitar-rock, dance and folksy instruments and attitude.

Few have captured the zeitgeist as well as Berlin’s Eastblok Record Label (www.eastblokmusic.com) who recently released BALKANBEATS3 has some great tracks including Goran Bregovic’s dancy Gas Gas and The No Smoking Orchestra’s soulful Dobrila, in addition to Slovansky Bal’s Moscow Fever.

Mit Pauken und Gitarren (Tagesspiegel, 29.11.2007)

Mit Pauken und Gitarren

Titos tanzende Enkel: Der anarchische Balkanpop erobert die Welt. Nun feiert er Geburtstag in Berlin

Von Alexander Glodzinski

Dienstagnacht, Maria am Ostbahnhof, ein Tollhaus. Gogol Bordello lässt den Laden brodeln. Schon im zweiten Song schleudert Eugene Hütz, Frontmann der Zigeunerpunkband, sein schweißdurchtränktes T-Shirt dem Schlagzeuger entgegen, stemmt die Faust in die knochigen Rippen und grinst mit aufgerissenen Augen. Als zwei Frauen mit Pauken und Becken auf die Bühne marschieren und einen brutalen Rhythmus vorgeben, beginnt die Meute zu toben. Kein Hemd bleibt trocken. Zuschauer werden auf Händen durch den Raum getragen.

Gogol Bordello sind die vielleicht prominentesten Vertreter des Phänomens Balkanpop, das einen weltweiten Siegeszug angetreten hat. Punk wird mit einem heftigen Schuss Zigeunerkultur – ein Begriff, der selbstverständlich und selbstbewusst gebraucht wird – zu einem globalen Rebellenrock vereint. 1993 kam Hütz nach New York, sieben Jahre zuvor war er aus seiner ukrainischen Heimat vor der Tschernobyl-Katastrophe geflohen. Die Flucht wurde eine Reise zu den Familienwurzeln, zur Kultur der Zigeuner. Und das Ergebnis ist jene exotische Mischung, die vielleicht nur in einer Metropole wie New York oder Berlin gedeihen kann. Slawische Immigranten besinnen sich auf ihre Herkunft. Selbstsicher beansprucht Hütz, der ein bisschen aussieht wie Frank Zappa, seitdem die Urheberschaft für das Genre Balkanpop.

Nirgendwo sonst ist der lebendiger als in Berlin, dem Einfallstor für Künstler aus dem ehemaligen Ostblock. Russendiskos füllen die Säle, traditionelle jugoslawische Volkslieder werden mit elektronischem Beat unterlegt. Stefan Hantel, besser bekannt als Shantel, ist mit seinem Album Disko Partizani auf Platz eins in den türkischen Charts eingestiegen; auch die Filmmusik von Emir Kusturica erregte hierzulande die Aufmerksamkeit von Musikern und Produzenten.

Balkanpop beeinflusst heute fast jedes Genre, meint Christoph Borkowsky von Piranha Music. „Es gibt kaum noch eine Musikrichtung, die nicht mit orientalischen Klängen arbeitet“, sagt der Direktor des Weltmusiklabels, das von Berlin aus einen großen Fundus an südosteuropäischer Musik vermarktet. Robert Šoko, der Gründer von Balkanbeats, einem der erfolgreichsten Party- und Konzertveranstalter, pflichtet bei: „Der Hype ist überall der gleiche“, sagt er, von Oslo über Valencia bis nach New York. Mit seinen Partys gehört der Kroate, der seit 1990 in Berlin lebt, zu den Multiplikatoren der Musikbewegung. Ohne die Energie, die in dieser Stadt beim Zusammenprall von Ost und West entstehe, wäre Balkanbeats nicht möglich, glaubt er. Als seine alte Heimat in den nationalistischen Wirren des Jugoslawienkriegs auseinanderbrach, wurde die Kreuzberger Kellerkneipe Arcanoa zum Refugium. Sie war der Sammelpunkt für die Flüchtlinge vom Balkan, und sie war der Geburtsort der Balkanbeats, vor genau 14 Jahren.

Der Raum war düster, an der Wand hing ein Banner von Josip Broz Tito. Von alten Kassetten dröhnte Gitarrenrock, Punk und Turbofolk, es floss viel Alkohol. Fünfzig Entwurzelte feierten den Geburtstag eines Staats, der seinen 60. Jahrestag nicht mehr erlebte: Kroaten, Bosnier und Serben, Christen, Orthodoxe und Moslems sangen gemeinsam sozialistische Lieder – Persiflage auf den Kommunismus und ein bisschen Nostalgie.

Das Image des Balkans war einst von Sonnenschein und Cevapcici geprägt, später von Stichworten wie Betrug, Raub und Mafia. Die verrückte Emotionalität des Balkanpop verleiht ihm wieder ein positives Image. Das ist Šoko wichtig: „Das schlechte Profil der Jugos war verständlich, doch jetzt entwickeln wir ein Profil, das tanzbar und sexy ist.“

Ihren 14. Geburtstag feiern die Balkanbeats heute Abend im Kato in Berlin-Kreuzberg. Es spielt die kroatische Band Let 3, die berüchtigt ist für musikalisches Chaos und ästhetische Provokation. Ein hemmungsloses Spiel mit den Symbolen und Parolen des kommunistischen Jugoslawien und seiner ethno-national fundierten Nachfolgestaaten.

Let 3, Kato, unter dem U-Bahnhof Schlesisches Tor, 21 Uhr, 10 €

(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 29.11.2007)

http://www.tagesspiegel.de/kultur/;art772,2428912

Balkan brilliance (Songlines #42, March/April2007)

BalkanBeats Volume 2
Eastblok Music EBM007 – Full Price (55mins)

When Berlin label Eastblok music first burst onto the world music scene in 2005, thei indider`s approach to the Gypsy DJ phenomenon immediatly put their Balkan Beats records above the competition. Volume 2 picks up where we left off last time: feet firmly dancefloor-bound. It’s great to hear top-class new Belgrade outfit Kal swing their way Django_style through the old Transylvanian fiddle classic ‚Mahala’. And the Hungarian flavour is tasty throughout, with typical brilliance from Budapest Gypsy klezmers Besh o droM and two of the best Magyar singers around, Agi Szaloki and Monica Mitsoura. Like last time though, the real discoveries come courtesy ofthe motherland – Vlada Divljan from Yugirock legends Idoli shows he can still do it on ‚Baba Zumbala’, and the NOHA remix of Czech Gypsy project !DelaDap will no doubt have the big advertising companies drooling once again. With one ort wo slight caveats regarding the occasional foray into Indian electronica, and dodgy beat programming, this is another quality selection from an increasingly impressive label.

Author: Jonathan Walton

Pop mit Hybridantrieb (Die Zeit, 03.2007)

Pop mit Hybridantrieb
Folklore in der Disko: Wie sich Musik vom Balkan im westlichen Mainstream einrichtet.

In der Schulzeit galt sie noch als Nerd, strebsam und unscheinbar. Das kann man ihr heute nicht mehr nachsagen. Miss Platnum fällt auf, durch Stil und Stilbruch gleichermaßen. Schwarzes Haar, am Ansatz gewaltig auftoupiert, an den Ohren edler Schmuck im Sixties-Stil, dazu Schlabberhosen und Sneakers. Bis dahin sieht das nach cooler Soul-Kleidung aus, der Clou jedoch ist die weiße Kittelschürze. Eine Reminiszenz ans Hausfrauliche, die sie auf offener Bühne trägt.

Pop und Folklore in einträchtigem Widerspruch, das gilt auch für die Musik. Während der Gesang als HipHop durchgehen könnte, schlägt der Drummer einen Marsch, hört man Trompete und Posaune. Ein Akkordeon mischt sich in die gefühlvollen Melodien, die nach Osteuropa klingen, nach Hochzeit und Volkstanz. »I want a Mercedes Benz«, röhrt Miss Platnum dazu, »like all of my friends / I can’t drive my man’s / He says he gets me my own pretty Benz / with the help of my cousins«. Soll heißen: Wenn die Frau nicht den Wagen ihres Mannes fahren darf, muss eben die Verwandtschaft das ersehnte Statussymbol besorgen.

R’n’Balkan nennt Miss Platnum ihren Stil, der internationale Dancefloor-Ästhetik mit Elementen der Herkunftsgeschichte vermischt. Zum Mercedes hat sie es damit noch nicht gebracht, erzählt sie in einem Café in Berlin-Neukölln. Aber dass sie auf dem richtigen Weg ist, daran zweifelt sie nicht. Sie, die im rumänischen Timi?oara als Ruth Renner geboren wurde und mit acht Jahren nach Deutschland floh, gehört zu den aufstrebenden Vertretern eines Genres, das sich in den letzten Jahren vom Geheimtipp zum Publikumsmagneten entwickelt hat: Balkan-Pop.

In Frankfurt, Hamburg und Köln, besonders aber in Berlin, wo Ost und West sich seit der Wende vermischen, tanzt man zu der Musik, die rhythmisch, schnell und spaßig ist, nach der Sentimentalität der Roma klingt, manchmal nach Klezmer, manchmal nach Orient. Blaskapellen spielen vor ausverkauftem Haus, DJs mixen die Lieder mit Pop, Punk oder Elektro. Es ist eine Welle, die nach 1989 in den Westen geschwappt ist und seither nicht aufhört zu wachsen. Bei Konzerten und Partys tropft der Schweiß von der Decke, der Wodka fließt, ganz wie das Klischee es will, in Strömen.

Gypsy Grooves, Balkan-Folk, Bucovina-Dub, Jugo-Punk, Karpaten-Ska oder eben R’n’Balkan – der Namen sind viele und der Protagonisten noch mehr. Gemeinsam ist ihnen das Spiel mit den Kraftquellen eines im westlichen Alltag verloren gegangenen Sentiments und die Tatsache, dass die meisten Vertreter einen Migrationshintergrund haben. Oft stammen sie wie Miss Platnum aus Südosteuropa oder den ehemaligen Ostblockstaaten, hinzu kommen ein paar Deutsche mit osteuropäischen Wurzeln sowie Balkan-affine Trendsetter, die das Kulturgut mit ihrem Know-how promoten.

Dass das Authentische etwas gilt auf dem hiesigen Markt, sei ihr erst nach und nach klar geworden, erzählt Ruth Renner mit echtem Berliner Akzent. Sie weiß genau, dass der wilde Osten in Wahrheit nicht ganz so lustig ist, wie manche der Clubgänger in ihrem Amüsierbedürfnis gerne glauben möchten. »Die Roma waren bei uns zu Hause eine diskriminierte Minderheit«, sagt sie, eine Randgruppe, die sich nur mit der Musik über ihr Elend hinwegtrösten konnte. Zurück in ihr Herkunftsland will Ruth Renner auf keinen Fall.

Hören Sie hier „Mercedes Benz“ von Miss Platnum

Doch Pop, auch Balkan-Pop ist eben vor allem ein Spiel mit den Identitäten, das dem Standortnachteil von damals eine positive Seite abzugewinnen versteht. »Hütet euch vor Rumänien!«, sagt Platnum, die die Kittelschürze mit dem Stolz des einstigen Underdogs trägt und ihre Musiker mit Goldketten behängt. Ein konsumistischer Trotz gegen die Armut, mit offensiver Ironie vorgetragen – das ist es, was von allen Parteien der Balkanwelle geteilt und verstanden wird.

Angefangen hat es Mitte der neunziger Jahre mit Filmen des serbischen Regisseurs Emir Kusturica. Seine Komödien Underground und Schwarze Katze, weißer Kater kokettierten bereits mit den Klischees vom kreuzfidelen Folklore-Ostler, sie machten die Musik von Goran Bregovic und von Kusturicas eigener Kapelle, dem No Smoking Orchestra, berühmt und ebneten den Weg für andere Originale aus Südosteuropa, wie die Roma-Blaskapelle Fanfare Ciocarlia, eine zwölfköpfige Kombo aus einem kleinen Dorf in Rumänien. Die inzwischen international bekannte Gruppe bringt ihre temporeiche Gebrauchsmusik, mit der sie in der Heimat Hochzeiten und Taufen beschallt, seit 1997 unters Volk, weltweit.

Erst im Zuge dieser Erfolge entwickelte sich eine Clubszene, in der die Originalklänge mit westlichem Sound gemixt wurden – die Geburtsstunde des genreübergreifenden Balkan-Pop. Die Lieder dazu können zu 90 Prozent Foklore sein, die dann im DJ-Mix diskotauglich gemacht wird. Oder die Volksmusik pulsiert nurmehr subkutan, so wie bei Miss Platnum.

Balkan-Pop ist die soundgewordene Antwort auf die Doppelidentität von Einwandererkindern, die auf ihre kulturellen Hintergründe zurückgreifen, ohne dabei Nostalgie zu betreiben, er ist die Begleitmusik zur EU-Osterweiterung, die die Länder nicht nur politisch immer näher rücken lässt. Als Vorreiter globaler Soundmixturen lehrt er den Weg aus der Nische. Beispiele solcher Métissagen gibt es auch aus anderen Gegenden, man denke an den Briten Panjabi MC, der den indischen Volkstanz Bhangra mit HipHop verband und aus der World-Music-Ecke heraus in den Mainstream geführt hat. Während anderswo fieberhaft an Integration gearbeitet wird, findet man hier mühelos auf der Tanzfläche zusammen.

Samstagnacht im Mudd Club in Berlin: Hier, in einem dunklen Kellergewölbe, legt der Bosnier Robert Šoko alle 14 Tage seine Balkan Beats auf. Zur temporeichen Musik, unverfremdet oder als Remix-Version, tanzt Jugend unterschiedlichster Herkunft dicht gedrängt und stundenlang. Springen und spaßiges Anrempeln ist ausdrücklich erwünscht. Einen Kleidungskodex gibt es nicht, das Publikum ist äußerst heterogen: deutsche Jurastudentin neben kroatischem Haudegen neben japanischem Independent-Rocker. Schon nach kürzester Zeit kleben T-Shirts auf schweißnasser Haut.

DJ Šoko, väterlicherseits Kroate, mütterlicherseits Serbe, kam nach dem Mauerfall nach Deutschland. In einem kleinen Punk-Club in Kreuzberg legte er anfangs für seine »jugoslawischen Landsleute« auf, wie er sagt. »Bei uns tanzten Kroaten, Muslime und Serben einträchtig zusammen.« Allein aus Spaß, sagt er, habe man Nationalfeiertage und Titos Geburtstag zelebriert. »Culture Recycling« nennt er das. Die ausgelassenen Partys der Immigranten waren das Ventil für die Angst vor Abschiebung. »Dieser Keller war unser Zufluchtsort vor Frustrationen.« Zum Erfolgsgeheimnis gehörte allerdings schon damals, dass keiner ausgeschlossen wurde.

Inzwischen boomt das Geschäft, auch was den Tonträgermarkt anbelangt. 15000-mal haben sich die zur Partyreihe passenden Alben Balkanbeats 1 und 2 verkauft, angesichts der Krise der Fonoindustrie ein mehr als achtbarer Erfolg. Die Songs heißen Hir ai kam, hir ai go oder Tazi, tazi und stammen von Musikern aus Slowenien, Ungarn und Kroatien. »Der Sound hat Seele«, meint Miss Platnum.

Im Westen herrsche ein ungemeiner »Hunger nach der emotionalen Musik«, sagt Henry Ernst von der Konzertagentur Asphalt Tango. Der Erfolg habe aber auch zu ersten Spaltungen geführt. Zwei Fraktionen stünden sich gegenüber, eine »konservative« und eine »progressive«. Die einen wollten die Originalklänge respektiert wissen, die anderen mischten unbedarft drauf los und verfremdeten das Ursprüngliche zu »haarsträubenden Mixes«. Ernst ist einer der Pioniere des Balkan-Pop: Er war es, der die Fanfare Ciocarlia zufällig auf Reisen durch Rumänien entdeckt hat, er war es, der als Erster deren Potenzial für die deutsche Konzertbühne erkannt hat. Das, was beim Publikum ankomme, sei eben »die Ursprünglichkeit, die intakte familiäre Atmosphäre«. Die Musik sei »kein Konstrukt«, betont er noch einmal und setzt sich damit dezidiert von der DJ-Szene ab.

Unmut gegenüber allzu frei ausgelegter Tradition herrscht indes nicht nur in Deutschland, sondern auch auf dem Balkan selbst. Das Spiel mit dem Volkstümlichen gipfelt in der Chalga, die je nach Land auch Pop-Folk, Turbo-Folk, Manele oder Arabesk heißt. Dabei modifiziert – die Kritiker würden sagen: simplifiziert und kontaminiert – die Chalga die Originalklänge zu westlich geprägter Musik mit konsumistischen Texten. Goldketten und bis zum Bauchnabel aufgeknöpfte Hemden, orientalische Klänge, die mit dem Synthesizer nachbearbeitet wurden – genau das bringt Puristen wie Ernst auf die Palme. Für ihn soll das Authentische bleiben, wie es sich für seine Verfechter anfühlt: echt.

»Alles Unsinn«, meint der Produzent und DJ Stefan Hantel alias Shantel: Durch den Mix werde nichts zerstört, nur innovativ eingesetzt. Auch der Frankfurter kannn sich darauf berufen, ein Mann der ersten Stunde zu sein, einer der berühmtesten sogar: 2006 wurde er mit dem BBC Award ausgezeichnet. Shantel fing bescheiden im Frankfurter Schauspielhaus an, Balkan mit Elektronik zusammenzubringen. Inzwischen wird sein Bucovina Club nicht nur in verschiedenen Metropolen in Deutschland, sondern auch in Tel Aviv, Zürich, Rom und Istanbul besucht – und zwar von bis zu 2000 Leuten.

Ob lokal oder global, es herrscht bei all diesen Zusammenkünften das gleiche Bild: euphorische Stimmung wie nach einer Grenzöffnung, mit Verbrüderungsszenen und reichlich Wodka. Es sei weder eine nostalgische Reminiszenz an kulturelle Wurzeln noch deren respektlose Instrumentalisierung, sagt Shantel, sondern die Geburt eines neuen Genres. Seine Großeltern stammen aus Czernowitz in der Bukovina, einem Landstrich in Südosteuropa. »Das war Heimat, aber vor allem auch eine große kulturelle Schatzkammer.«

Dass ein neuer Stil von Kontinentaleuropa ausgehend entstehen würde, habe es so noch nie gegeben, ist Shantels feste Überzeugung. »Vor zwei Jahren hat das keinen so recht interessiert, jetzt ist ein Hype ausgebrochen.« Briten und Amerikaner seien »völlig irritiert«, dass einmal nicht sie die Pioniere seien. »Das kann in fünf Jahren auch wieder vorbei sein.« Damit das nicht so kommt, sucht Shantel überall auf der Welt Nachwuchs – und entdeckt balkanisierten Pop in Tel Aviv ebenso wie in New York.

Die jüngsten Beispiele: Boom Pam, eine jüdische Avant-Folk-Fusion-Band, und Balkan Beat Box, eine nochmals gemischtere Combo von Allesmischern, bei denen mit Balaleika, Geige, Saxofon, Klarinette und Trommel ein komplexes Klangbett kreiert wird. Shantel promotet das Genre außerdem mit Sammelalben zur Partyreihe, mit Soundtracks – wie für den neuen Film von Fatih Akin – und mit seiner eigenen Band. Ein neues Album, das in Kürze erscheinen wird, soll endgültig demonstrieren, »dass Balkan-Pop weder nur Weltmusik noch eine reine Modeerscheinung ist«.

Zurück zum Balkanbeats-Wochenende in Berlin. Eine Premiere steht an: Am Tag nach seiner Party trifft Šoko erstmals auf seinen Kollegen Wladimir Kaminer. Der ubiquitäre, vor allem durch seine Bücher bekannte Russe ist nicht nur Autor und Kolumnist, sondern auch DJ: Seit acht Jahren legt er im Kaffee Burger in Berlin-Mitte äußerst erfolgreich Polka, Ska und Punk auf.

Die Platten zum Event gehen gut, die Events selbst gehören zu den bestbesuchten. Noch ein wenig durchlässiger als sonst sind hier die Grenzen, und Kult ist es auch, am Wochenende hier vorbeizuschauen. Weil es selbst Kaminer bei sich mittlerweile zu touristisch geworden ist, hat er kurzerhand expandiert, in einen neuen Club in den Kellern der U-Bahn-Station Jannowitzbrücke.

Ein Ende des Mischens ist nicht abzusehen. »Balkan Beats sind folkloristisch, unsere Russenpolka ist sozialistisch, das passt doch«, sagt Kaminer beim Gipfeltreffen der Giganten, und schlägt Šoko vor, doch mal gemeinsam einen Abend zu gestalten. Darauf ein Glas Honigschnaps. »Nastrovje«, sagt Kaminer. »Zivjeli!«, sagt Šoko. Man muss die Feste feiern, solange sie fallen.

Autor: Susanne Schmetkamp

BALKAN BEATS Vol.2 (Voice of Culture, 03.2007)

Und der Balkan-Hype lebt weiter…Die Jungs von den Balkanbeats lassen es mal wieder krachen…
Schon wie beim letzten Mal gehen die Songs sofort ins Gehör und ins Blut und lassen keinen still sitzen. Orientalisch-Indische Klänge vermischen sich mit Klezmer, Zigeunermusik und östlichen Elektronika und beweisen eins ums andere Mal, dass dem Balkan einfach ein ganz besonderer Spirit inne wohnt, der die Leute glücklich macht indem sie tanzen. Mehr braucht man da auch gar nicht, denn Besh O Drom, Deladap, Mitsouka und Konsorten sorgen für ordentlich Stimmung, ob sie nun vom Lande herkommen oder aus der Grossstadt. Die Essenz bleibt die Gleich, Energie durch Musik!

Mit Pauken und Trompeten: Balkan-Pop sorgt für Stimmung (Die Welt, 10.01.2007)

Köln (dpa) – Manche Musik ist einfach zum Tanzen da: Wer bei den derzeit angesagten Klängen aus Osteuropa nicht zappelt, hüpft, sich wiegt oder im Kreise dreht, muss schon ein sehr unmusikalischer oder stoischer Charakter sein. Folklore-Bands aus der Ukraine, aus Russland, Serbien, Kroatien, Ungarn, aber auch aus Israel und Amerika sorgen in den Clubs und Konzertsälen von Berlin über Köln bis Frankfurt für Begeisterung. Das
Besondere: Die Musiker puzzeln stilistisch zusammen, was die Pop- und Rockmusikkiste hergibt. Traditionelle Roma-Klänge oder Klezmer treffen auf HipHop, Elektro, Oriental, Ska, Jazz, Samba, Reggae, Rock und Country. Das Ganze firmiert häufig unter dem Oberbegriff Balkan-Pop, auch wenn viele Musiker gar nicht aus Balkanländern stammen.

So wie im Fall der israelischen Musiker der Gruppe Balkan Beat Box aus New York, die im vergangenen Spätherbst ein fulminantes Konzert in Köln gaben.
Schon der Auftakt war ein Höhepunkt: Mit Trommeln, Saxofon und Flöte ausgestattet sowie mit Tiermasken verkleidet, heizten die Jungs inmitten der Zuschauermenge ein, bevor sie auf die Bühne sprangen. Von da an kam das Publikum zwei Stunden nicht mehr zur Ruhe. Sechs Musiker, davon drei feste, setzten an Instrumenten alles ein, was sie so auf der Bühne fanden.

Bis zu 18 Mann stark sind Balkan-Pop-Gruppen zuweilen, wie die Hochgeschwindigkeits-Blaskapelle Fanfare Ciocarlia, bei denen Musiker aus Serbien, Mazedonien, Bulgarien und Rumänien im Alter zwischen 29 und 64 Jahren zusammenkommen. Blasinstrumente gehören zur Standardausrüstung, allen voran Saxofon, Tuba und Klarinette. Ob es dann nach Rap, Orient, Ska oder Jazz klingt, hängt von der Gruppe ab. Für Stimmung sorgen sie alle. OMFO, eine Ein-Mann-Band, lieferte unlängst den Sound zur Kino-Satire »Borat«.

Die Musik aus den ehemaligen Ostblock-Staaten scheint nicht nur genre-, sondern auch kulturübergreifend zu sein. Neben Landsleuten der Musiker tanzen Deutsche, Japaner, Türken, Griechen, Spanier und Amerikaner. Erstmals einem breiteren Publikum bekannt wurden die Gypsy-Klänge durch die Filme des serbischen Regisseurs Emir Kusturica (»Underground«), zu denen der aus Sarajevo kommende Sänger Goran Bregovic die Musik lieferte.

In Berlin sorgt der russische Autor Wladimir Kaminer mit seiner »Russendisko« seit einigen Jahren für Zulauf und reichlich Wodka- Umsatz.
Denn der gehört unweigerlich dazu, wenn auf Osteuropa-Pop getanzt werden soll. Zu den Stimmungsmachern unter den russischen Bands zählt Leningrad: 15 Musiker, die Ska, Salsa und Rock mit Folklore mixen. In ihrer Heimat gehören sie zu den Top Ten. Rockig und Punkig geht es außerdem auch bei Haydamaky aus der Ukraine zu. Ihr Stil: »Karpaten-Ska«.

In Berlin spielt der bosnische DJ (Robert) Soko seine »Balkan Beats«, die ursprünglich als nostalgisches Programm für Landsleute aus dem ehemaligen Jugoslawien gedacht waren, seit nunmehr zwölf Jahren. Zu den überregional bekanntesten Disc-Jockeys gehört der Frankfurter DJ Shantel, der mit seinem »Bucovina Club« um die Welt reist und die Bands aus Osteuropa auf dem eigenen Label »Essay Recordings« herausbringt. 2006 gewann er den BBC World Music Award und gilt bei Fans als »König des Balkan Dancefloor«. In Köln stehen regelmäßig zwei weibliche DJs aus Russland an den Plattentellern. Zur Einstimmung gibt es hier manchmal folkloristischen Live-Gesang.

Nicht alle Bands haben sich unterdessen der Highspeed-Polka verschrieben.
Ruhiger und entspannender ist zum Beispiel der elektronische Sound von Erik Sumo aus Ungarn sowie die jüngst von Fans und Medien groß gefeierte Musik von Zach Condon alias Beirut aus New Mexico. Condon verknüpft sehr gekonnt Independent-Rock mit Gypsy und die Gitarre mit Ukulele, Violine, Klavier und Akkordeon. Wie die anderen Bands sorgt auch Beirut für ausgelassene und zugleich melancholische Stimmung und bringt Orient und Okzident, Ost und West musikalisch zusammen.

Autor: Susanne Schmetkamp

BalkanBeats 2 (Warschauer #53, 11/2006)

Wer in Erdkunde aufgepasst hat, weiß, dass der Balkan eine von ethnischer, kultureller und landschaftlicher Vielfalt geprägte Region in Südosteuropa ist. Die komprimierte Buntheit dieser Gegend und der anschließenden Nachbarländer fangen die DJs Soko und Marko für den zweiten Balkanbeats-Sampler ein und entführen Zuhörer und Mittänzer auf eine (Zeit-)Reise von der Donau über den Bosporus bis tief in den Osten. Traditionell instrumentierte Musik wird hier mit Beats verbunden, Percussion und Flöten mit raffiniert eingesetzten Keyboards gepaart, sogar Tablas und Sitars verschmelzen hier mit westlichen Klängen in einzigartiger Art und Weise zu – ja, Weltmusik. Endlich trifft der Begriff mal zu. Solisten und mehrstimmige Ensembles geben sich die Klinke in die Hand. Mal dezent, mal hypnotisch treibend, mal hastig, mal getragen, melancholisch und fröhlich, wild und mit schmalzig-süß im Walzertakt triefenden Geigen sowie herzzerreißend schmachtenden Saxophonen und immer mit viel Leidenschaft wird hier jeder Geschmack bedient.

Wir sehen: Für echte, authentische Volksmusik ist die Dimension Zeit irrelevant. Spätestens nach der Aufmotzung durch zeitgenössische Elemente ist sie auch im neuen Jahrtausend noch tanzbar. Hierzulande teils noch verkannt, belächelt und unberechtigt in finstere Ecken der Plattenläden unter „World“ oder „Ethno“ verschimmelnd, werden mit diesem Album Juwelen vom Museum auf die im Feuer des Balkan glühende Tanzfläche geholt. Als Zugabe spendieren uns die Leute von Eastblok noch ein Video von Karavan & Boban Markovic. Dieser wirklich außergewöhnliche Sampler kommt als liebevoll gestaltete CD im Vinyllook, eingetütet im edlen Digipack. Nur geil, das Teil! Aufdrehen und abzappeln!

Autor: johnniecolt

BalkanBeats 2 (westzeit.de, 10/2006)

So, jetzt ist die Welle so richtig schön am Schwappen. Vielleicht beglücken uns VivaBravoSony&Co. demnächst auch mit globalisiertem Balkanpop. Noch ist es nicht (ganz) soweit (obwohl: da waren doch schon mal diese rumänischen Hupfdohlen in den Charts) und wir können (z.B.) via Eastblok noch Qualität tanken. Folge 2 der Balkanbeats zerschneidet die geografischen Fesseln und folgt dem \\“spirit\\“ der tsiganes bis nach Belgien oder Nordamerika. Die Mischung ist dabei gewohnt gelungen und verbindet einmal mehr bereits Bekanntes mit (noch) Neuem. Ordentlicher groove ist aber (wie) immer die Hauptzutat und ein Bonus-Video gibt\\’s auch wieder. \\“Do U Like It?\\“ – Aber ja!

Autor: Karsten Zimalla

Die große Balkan-Sause (sound and image, 10/2006)

Immerhin ein Jahr hat es dann doch wieder gedauert, bis der Nachfolger der ersten BalkanBeats CD freigegeben war. Wir erinnern uns: DJ Soko aus dem Berliner Mudd-Club hatte mit BalkanBeats Vol. 1 einen Sturm der Tanzwut entfesselt. Seine ersten 15 Tracks waren der Grundstock einer jeden Balkan-Party und die dort anzutreffenden Bands kamen fast alle aus dem großserbischen Reich, sprich Ex-Yugoslavien.
Für BalkanBeats 2 wurde das Spektrum naturgemäß weiter gefaßt, da sich mittlerweile von Belgrad bis NewYork und von Frankfurt über London bis Paris herumgesprochen hat, daß man mit verrückten Riddims balkanesischen Ursprungs eine Menge Spaß haben kann. Einflüsse aus den verschiedensten Kulturen mischen sich daher nun mit den Grundelementen der Gypsy-Musik, aber auch die üblichen Verdächtigen geben sich erneut ein feucht-fröhliches Stelldichein.

Die Amis von Sevdahbaby erkundigen sich balkangerecht „Do U Like It?” (was für eine Frage!!), wir hören Boban Markovic einmal ganz anders (zusammen mit Karaván und fast ohne tutendes Background-Gebläse), die Sängerin Mitsoura singt mit ihrer unvergleichlichen Stimme zu deftigen Bollywood-Beats, !Deladap aus Ungarn werden von N.O.H.A. einer Frischzellenkur unterzogen, Besh O Drom, ebenfalls aus Ungarn, heizen mit viel Frischluft aus der Flöte die Atmo an, die unvermeidlichen Fanfaren aus Zece Prajini spielen Pink-Panther-Brass-Punk, bei Vlada Diviljan rockt der Tanzbär mit flirrenden Streichereinsätzen und rasselnder Perkussion und Emir Kusturica drückt zum Abschluß mit seinem No Smoking Orchestra noch einmal ordentlich auf die melancholische Ader. Beste Voraussetzungen also, die große Balkan-Sause angemessen fortzusetzen. Übrigens: Mit dem angehängten Video haben übrigens nur PC-Besitzer ihre Freude: MAC-User müssen leider draußen bleiben. Schade.

‚Am Anfang war es Sehnsucht‘ – (Funkhaus Europa, 10/2006)

Am Anfang war es Sehnsucht. ‚Ich habe meine Nostalgie durch Musik bedient“, sagt Robert Soko aus Zenica, einer öden Industriestadt in Zentralbosnien, damals noch mitten in Jugoslawien. Der 36-jährige kam vor den Jugoslawienkriegen nach Deutschland, weil er auf der Suche nach einer neuen Lebensperspektive war und blieb aus Liebe in Berlin kleben. Acht Jahre lang kreuzte er als Taxifahrer durch die Hauptstadt, stellte sich Kassetten zusammen, um die Nächte besser zu überstehen, vor allem aber, um die eigene kulturelle Identität in der Fremde nicht verhungern zu lassen.

So entstanden die Balkanbeats und Robert Soko verwandelte sich in DJ Soko. In einer Kreuzberger Kult-Kneipe stellte er sich an die Plattenteller und versorgte erst einmal seine Landsleute mit Musik: „1993 fing ich in der Arcanoa-Bar an. Da trafen sich damals Jugos, viele Flüchtlinge aus dem Krieg, Ich hab fast ausschließlich nur Jugo-Musik gespielt, allerdings war das damals mehr Punkrock, Ska usw, kein Ethno. Doch dann kamen Goran Bregovic und Emir Kusturica und Soko verlor seinen Kopf an etwas, das er als Jugendlicher reichlich „uncool“ fand, an Musik, die einen traditionellen Ursprung hat. „Culture Recycling“ nennt der Mann mit der sonoren Stimme und dem Dreitagebart sein Treiben, denn er bedient sich seitdem ungeniert im schier unendlichen Fundus der Balkanmusik, um sein Publikum zum Tanzen anzustacheln. Und dieses Publikum hat sich ebenso verändert wie der DJ: ‚Nur ein Drittel oder ein Viertel der Leute, die heute zu Balkanbeats kommen, sind ursprünglich vom Balkan. Das spielt keine Rolle, ich spiele nicht für die Diaspora!“, sagt Soko mit einem Ton, der keinen Widerspruch duldet. Dafür aber in New York, Paris (wo die Balkanbeats bereits regelmaßig statt finden), London und Los Angeles, denn die Balkanbeats sind dabei den Globus zu erobern, obwohl sie weniger gezielt die weltweite Clubkultur bedienen wie der „Bucovina Club“ und kein prominentes Zugpferd haben wie Wladimir Kaminers ‚Russendisko‘. Soko mischt wild Nu-Gypsy-Sounds und Balkan-Brass, serbischen Pop und Rock ’n‘ Roma, Clubtaugliches und Tracks wie vom Dorffest. An seiner Mixtur kann man nicht nur ein wunderbares Völkergemisch ablesen, sie scheint auch Teil seines genetischen Konzepts zu sein – der Vater war Kroate, die Mutter ist Serbin: ‚Als der Nationalismus hochkam, hatte ich ein echtes Problem damit, weil die Kroaten und die Serben hatten sich ja in der Wolle gehabt, da gab es starken Haß und Vorurteile gegeneinander. Und als Kind einer Mischehe, wie ich, stehst du immer mit einem Bein auf der anderen Seite. Und das habe ich auch versucht musikalisch auszudrücken, indem ich immer Crossover gemacht habe.‘ Auf Balkanbeats Volume 2 (Teil 1 erschien 2005) offenbart Soko erneut seine großzugige Liebe zur Roma-Musik mit Tracks von Besh o Drom, !Deladap, KAL, Romashka und vielen anderen. Er macht uns bekannt mit sevdahBABY aus Belgrad, der am Computer Beats und Slogans auf Englisch mit Folklore-Sehnsucht vom Balkan kreuzt, und mit dem bulgarischen Roma Azis, einem hünenhaften blonden, blauäugigen und superschwulen Gypsy, der seinen Turbo-Folk mit orientalischen Zutaten würzt. Es gibt ein Zusammentreffen mit alten Bekannten wie den Fanfare Ciocarlia, in deren traditionellen Track sich der Pink Panther verirrt hat oder der Musik von Emir Kusturica. Und jede Menge Neuentdeckungen wie die kroatische Trancemusik von Postolar Tripper, der Crossover der serbischen Band Biber und die Filmmusik von Kiril aus Mazadonien. Soko hat ein kleines Netzwerk aufgebaut, an dem weltweit etwa 20 DJ’s beteiligt sind, die sich regelmäßig gegenseitig mit Musik versorgen. Dann aber werden die Stücke erst einmal am Patienten getestet und wenn sie ohne Narkose durchkommen, dann haben sie gute Chancen auf einem Balkanbeats-Sampler zu landen. Damit kann die Party dann auch zuhause steigen.

BalkanBeats 2 – CD der Woche (Berliner Fenster, 10/2006)

Dem abgegriffenen Klischee vom »Pulverfass Balkan« hat der Kreuzberger DJ Robert Soko eine neue musikalische Bedeutung gegeben.
Seine Balkan Beat Partys sind kein Kampf, sondern ein einziger nicht enden wollender Tanz der Kulturen. Wichtig ist hier nur eins, die Leidenschaft und die Liebe zur Musik.

Die großartigen Fanfare Ciocarlia aus Rumänien als Vetreter der Balkan- Roots- Fraktion stehen neben »neuen« Bands aus z.B. Belgien und den USA, die ihre eigenen urbanen Einflüsse einbringen.

Balkan Beats Vol. 2 ist virtuos, temporeich und gefühlvoll. Ein echter Anwärter auf Platz 1 der Weltmusik Charts, falls es diese gibt. [Klar gibt\\’s die! Anm. der Red.]

Autor: BF

CD der Woche – BalkanBeats (radio multikulti,10/2006)

Als sich 1989 der eiserne Vorhang hob, hätte eigentlich alles gut werden sollen. Der naiven Sehnsucht trat alsbald aber der Realitätssinn für die Altlasten zur Seite.
Die Länder des Balkans waren nie selbstbestimmte Nationalstaaten, sondern litten am Erbe der vielfältigen geschichtlichen Wechselfälle. Sie waren der Spielball der Mächtigen unter osmanischer Herrschaft oder der Zankapfel zwischen Russland und der österreichischen Doppelmonarchie.
Stets war die südosteuropäische Region Durchgangsterrain. Besondere Kenn-zeichen: ein bißchen Schmutz und ein bißchen Korruption. Im Vielvölkerstaat von Josip „Tito“ Broz funktionierte alles ganz gut, so lange der Chef selbst die Kontrolle ausübte.

Anfang der Neunziger jedoch geht das Yugoland aus den Fugen. Die vor dem Bürgerkriegsgemetzel Geflohenen suchen ihr Glück woanders – auch in Berlin.

Einer von ihnen ist der Bosnier Robert Šoko. Als klingende Assimilierungshilfe für sich selbst und andere Yugo-Exilanten etabliert er in der Kreuzberger Underground-Bar Arcanoa Tanznächte mit Balkan-Sounds.

Schon bald aber locken die „BalkanBeats“ auch Nicht-Balkanesen zur Musik von Brass Bands und Zigeunermusik auf den Dancefloor. Was zuvor nach ferner Exotik klang, ist jetzt absolut hip.

Inzwischen legen DJ Šoko und sein Team zweimal monatlich im Berliner Mudd Club auf. Die „BalkanBeats“ sind aber auch ein erfolgreicher Exportartikel über die Stadtgrenze hinaus bis nach New York und Los Angeles.

Für die rohe Energie, die anderen Klangfarben und Rhythmen, die Ausgelassenheit und Urwüchsigkeit der Klänge verbürgen sich auf „BalkanBeats“ international bekannte Größen wie Goran Bregovic oder das Boban Markovic Orkestar.
Längst aber sind auch Kapellen aus den Dörfern und abgetakelten Vorstädten wie Fanfare Ciocarlia oder Mahala Raï Banda im Portefeuille der Konzertveranstalter.
Das Besondere an der Balkan-Musik ist nämlich, dass sie sich der stilistischen Festlegung entzieht. Was über die Jahrhunderte hinweg durch die Region gezogen ist, hat seine Spuren hinterlassen: Slawisches, der Orient, Jüdisches und immer wieder die Zigeuner, die fürs blanke Überleben stets zusammen mixten, was gerade verlangt wurde.

Einige der vertretenen Künstler gehen durchaus auch augenzwinkernd zu Werk. Sie persiflieren sattsam bekannte Balkan-Klischees und rücken sie mit Hilfe von Sounds aus Rock und Jazz in ein neues Licht.

Balkan Beats (Songlines 10/2005)

BalkanBeats from new Berlin label Eastblok is in a different class, filled with exciting new discoveries. ‚Hir Ai Kam. Hir Ai Go‘, from kings of Slovenian ‚fakelore‘ Robert Pesut’s Magniflco, is funky Balkan surf sleaze with attitude. Hungarian wunderkinds Besh o droM are represented by a track from their excellent, self- produced new album Gyi, with snares and horns swirling underneath Agi Szaloky’s fabulous vocals. ‚Malcziki‘ sees Polish punk enfant terrible Kazlk going head to head with both Yugo indle legends Darko Rundek and Vlado Divljian in a dirty ska reinterpretation of a Yugo new wave song. A few favourites are present too, with top selections from Mahala Raï Banda, Frank London’s Klezmer Brass Allstars and Boban Markovic Orkestar. Highly recommended.

Author: Jonathan Walton

…pfeift einem die Mütze weg! (MusikExpress, 09/2005)

Berliner DJs präsentieren Gypsy-Brass und alternative Musik vom Balkan.

Als Tanzveranstaltung mit besonders hohem Transpirationsfaktor gelten ja schon seit längerem die Russendisko- und Bucovina-Party, die nach wie vor mit großem Erfolg durch deutsche Lande tingeln. Neu hinzugekommen und derzeit noch als Mund-zu-Mund-Tip gehandelt sind die Balkanbeats-Party, die im 14-Tage-Rhythmus im Berliner Mudd-Club über die Bühne gehen – aus der Taufe gehoben von ein paar Jugoslawen, die Anfang der 90er ihrer kriegsverseuchten Heimat entflohen waren und in Berlin ein neues Zuhause gefunden haben. Was zunächst als psychologische Überlebenshilfe für eine kleine Emigrantengruppe gedacht war, haben DJ Robert Soko und seine Crew mittlerweile zu einer legendären Balkan-Sause entwickelt, bei der nicht nur die sattsam bekannten Gypsy-Brass-Grooves durch die Hütte scheppern, sondern auch der alternative Untergrund aus den ehemaligen Teilrepubliken Jugoslawiens zu schweißtreibenden Verrenkungen animiert.

Deswegen findet man auf diesem Sampler eben nicht nur derzeit einschlägig gehandelte Acts wie Fanfare Ciocarlia, Mahala Rai Banda, Goran Bregovic und Frank London, sondern auch Ex-Punks, Ex-New-Waver, kontroverse Sänger/Schauspieler und andere Musik-Provokateure aus dem ehemaligen Tito-Land, die zum Teil mit atemberaubender Performance den Balkan einmal mehr zum Brodeln bringen. Sie tragen angeklebte Schnauzbärte, untenrum nur einen Hundemaulkorb, zündeln mit kracherten Punk-Bomben, quirlen Garage und Metal mit bosnisch-bulgarisch-japanischen Ingredienzen durcheinander, lassen serbische Dudelsäcke neben Orient-Beats quieken oder stellen Front-242-Breitseiten neben kroatischen Folklore-Rock. Das hört sich an wie Salate der Saison, pfeift einem aber die Mütze weg. (4/6)

Autor: Klaus Halama

BalkanBeats (www.oneworld.at, 09/2005)

Der zweite Balkan-Sampler der hier vorgestellt werden soll steht dem Bukovina Club in nichts nach aber unterscheidet sich vor allem durch eines: hier werden die unbehandelten Originale vorgetragen. Allein schon Goran Bregovic‘ nicht allzu bekannte, großartige Zusammenarbeit mit der Polin Kayah, die auf ihrem Album im rasanten „Prawy do lewego“ gipfelt, das eben auch hier zu finden ist, macht die CD äußerst empfehlenswert. Auf „Balkanbeats“ geht’s ebenfalls quer durch den musikalischen Gemüsegarten des Balkans, von Bulgarien über Ungarn, Serbien bis nach Griechenland, wo es, wenig genug bekannt, eine ebenfalls nicht unattraktive Brasstradition gibt. Um auch hier einige Interpreten zu nennen: Besh o Drom, Boban Markovic Orkestar, Karandila, George Dalaras … daher auch hier noch mal vieles vom Schärfsten, was es zurzeit bezüglich Balkan gibt.

Autor: Thomas Divis

BalkanBeats – highly recommended (songlines, 09/2005)

A double whammy of Balkan comps this month, both with sights firmly set on the dance floor. First up is Indestructible Balkan Beats. the weakest of the two.
Compilations need a solid idea of who they are aimed at: the uninitiated. the ardent fan, or perhaps even the DJ. The best have something for everyone. This has nothing for any of them. Too much weak drum programming, no flow between tracks and, with the exception of Italian Alberto Laurenti’s Ensemble Ethnique, it is very much a hastily-assembled gathering of the usual suspects. Manteca are compilation specialists, so they have no excuses really – they can do much, much better than this.

Balkan Beats from new Berlin label Eastblok is in a different class, filled with exciting new discoveries. ‚Hir Ai Kam. Hir Ai Go‘, from kings of Slovenian ‚fakelore‘ Robert Pesut’s Magniflco, is funky Balkan surf sleaze with attitude. Hungarian wunderkinds Besh o droM are represented by a track from their excellent, self- produced new album Gyi, with snares and horns swirling underneath Agi Szaloky’s fabulous vocals. ‚Malcziki‘ sees Polish punk enfant terrible Kazlk going head to head with both Yugo indle legends Darko Rundek and Vlado Divljian in a dirty ska reinterpretation of a Yugo new wave song. A few favourites are present too, with top selections from Mahala Rai Banda, Frank London’s Klezmer Brass Allstars and Boban Markovic Orkestar. Highly recommended.

Autor: Jonathan Walton

Balkan Beats Vol.2 (fRoots, 08.2005)

The BalkanBeats compilation goes to similar places but casts a wider net. One of the best tracks is Zumba by Mojmir Novakovic’s previous band Legen, who hailed from Croatia, which isn’t technically in the Balkans at all. No matter, kick-starting with the Balkan brass meet surf punk party sounds of Magnifico & Turbolentza, this is nearly all good and rare stuff. Ciocarlia and Mahala Raï feature again (albeit with different tracks to those on the Bucovina album) and there are interesting diversions such as the high-speed Hungarian folk rock of Besh o droM and Bulgarian brass band Karandila’s fiery version of the Roma national anthem Djelem, djelem. fRoots favourites Kultur Shock and Boban Markovic Orkestar also make their presence felt. Wilder and at times thrashier than Shantel’s collection, but well worth exploring all the same.

Author: Jamie Renton

Balkan Beats, (Westzeit 07/2005)

Natürlich erinnert der momentane Balkan-Hype an das Klezmer-Revival ab 1990. Aber etwas anders liegt die Sache doch, denn hier geht es vor allem um Spass, Tanzen, Feiern. Mittlerweile sind einige Namen auch Leuten geläufig, die noch nie östlich von Oder und Donau waren: Besh O Drom, Markovic, Bregovic, Fanfare Ciocarlia. Die auf diesem herrlichen Sampler vereinten Kapellen können durchaus als postmoderne Helden einer vermeintlich verlorenen Volksmusikkultur verstanden werden. Sahnehäubchen sind die situationistischen Agenten von Let 3, die mit „tazi tazi“ Yugo-Pop in’s Abstruse führen und dabei doch immer die Möglichkeit offenlassen, damit in die Charts zu ziehen (das geniale Video allerdings ist garantiert MTV-inkompatibel!).

Balkan Beats (Voice of Culture 06/2005)

Seit 10 Jahren gibt es die BalkanBeats-Party-Reihe nun schon, und von Jahr zu Jahr wächst der Zuspruch. Was als Überlebenstraining von Emigranten aus dem zerfallenen Jugoslawien auf der Suche nach Identität begann, erfreut sich heute größter Beliebtheit, auch bei den Deutschen. Zweimal monatlich finden die BalkanBeats im Mudd Club statt: Gypsy Groove, Tribal Beats und Balkan Ska aus der Konserve werden kombiniert mit regelmäßigen Live-Konzerten.

DJ Soko reist mittlerweile sogar nach New York und Los Angeles, um den BalkanBeats-Süchtigen auch dort ordentlich einzuheizen. Slawische, orientalische und jüdische Traditionen treffen auf Rock, Ska oder Metall und bilden einen bunten, wilden Reigen aus wüster Energie, Klangfarbe, Lebensfreude, Leidenschaft und Tanzbarkeit.
Es war also an der Zeit, all das einmal auf CD zu pressen, denn Bands wie Kultur Shock, das Boban Markovic Orkestar, Besh-O-Drom oder Fanfare Ciocarlia gewinnen immer mehr an Bekanntheitsgrad. Ein Fest aus abwechslungsreichen, explosiven und verrückten Klängen !

Punk den Balkan (taz, 11.06.05)

Transjugoslawien feiert gern: Das Berliner Soundsystem der „Balkan Beats“ ist stolz auf seine subkulturellen Wurzeln. Den Club-Partys folgt jetzt ein Film und eine CD
„Balkan Beats“ sind auf dem Weg zum Kultstatus. 13 Jahre nach der Gründung ist das Berliner Soundsystem nicht nur jeden zweiten Samstag im Monat im „Mudd Club“ (Mitte) zu Gange, sondern gastiert regelmäßig in anderen deutschen und exjugoslawischen Städten. Letztes Jahr beschallten sie erstmalig New York und Los Angeles. Jetzt erschienen fast zeitgleich eine Balkan-Beats-CD und ein Dokumentarfilm über die Balkan-Beats-Macher.

Balkan Beats, das ist vor allem Robert Soko. In der 45-minütigen Dokumentation „Balkan Beats“, von dem Berliner Nachwuchsfilmemacher Marko Valic produziert, erzählt der heute 35-jährige Bosnier, wie er 1989 aus seiner Heimatstadt Zenica nach Berlin kam – zwei Jahre vor Beginn der Jugoslawienkriege und aus dem schlichten Grund, dass ihm seine persönlichen und wirtschaftlichen Perspektiven im damaligen Jugoslawien nicht gefielen.

Zur Musik kam Soko auf dem Umweg über Jobs als Bauarbeiter und Taxifahrer. Und weil ihm der Krieg um Exjugoslawien unfreiwillig zu einem Publikum verhalf: Unter den zahllosen Flüchtlingen, die zwischen 1991 und 1995 die Städten Westeuropas bevölkerten, gab es eine Menge junge Nachtschwärmer.

Auf der bei Eastblok Music erschienenen CD „BalkanBeats“ dominiert Musik, deren balkanische Herkunft bereits beim ersten Hinhören klar ist. Das ist eigentlich untypisch: Denn Soko und sein ursprüngliches Publikum sind stolz auf ihren städtischen, subkulturellen Hintergrund. Sie stehen auf Rock, Punk, New Wave, Reggae, Ska, Industrial, HipHop und andere Musikarten, die nicht nur in Exjugoslawien, sondern weltweit gespielt werden. Das Element Volksmusik tauchte anfangs allenfalls auf, wenn es darum ging, sich von Nationalisten und anderen „Dörflern“ abzusetzen.

Die Ausnahme von dieser Regel war schon in den frühen Neunzigern die Musik der balkanischen Roma. Die Sounds und der Habitus der exjugoslawischen, rumänischen, bulgarischen und ungarischen „Cigani“ (Zigeuner) waren für die Balkan-Beats-Crew die kulturelle Brücke zwischen Street Credibility und Pathos. Die jungen Kroaten, Muslime und Serben, die sich gegen eine Teilnahme an den nationalistischen Kriegen in der Heimat und damit gegen ihr jeweiliges nationales Kollektiv entschieden hatten, fanden sich in der Kultur der – ebenfalls nicht klar national-religiös einzuordnenden – Roma wieder.

Der Versuch, über Punk und Gypsy-Musik die eigene, transjugoslawische Geschichte und Identität zu bewahren, gelang. Die Balkan-Partys im Arcanoa wurden schnell zum Insidertipp. Dazu kamen immer mehr Gäste, die Exjugoslawien lediglich aus den Filmen von Emir Kusturica kannten, und sprengten die räumlichen Möglichkeiten der linken Szenekneipe. 1995 begannen Soko & Co. mit größeren Partys an Orte wie den „Anorak“-Club im Prenzlauer Berg, den legendären „Club der Visionäre“ am Schleusenufer oder in das „Oxymoron“ in den Hackeschen Höfen zu ziehen.

Aus dem Taxifahrer Robert Soko wurde immer mehr der DJ Soko. Sein Wissen über und seine Sammlung von balkanischer Musik von Punk bis Folk begannen, sich bezahlt zu machen. Er begann, Bands zu den regelmäßigen Partys im Mudd Club einzuladen.

Heute Abend werden DJ Soko & Co. ihrem neueren, vor allem deutschen Publikum den Gefallen tun, einen guten Anteil an balkanischer Volksmusik zu spielen. Aber auch Liebhaberinnen und Liebhaber exjugoslawischer Undergroundsounds werden auf ihre Kosten kommen. Live präsentieren die Berliner Balkan Beats nach wie vor ihre typische, absolut tanzbare Musikmischung von Balkan-Folk bis Jugo-Punk.

Autor: Rüdiger Rossig

Balkan Beats (Radio Multikulti, 06/2005)

Endlich haben die furiosen Berliner BalkanBeats Nächte auch ihren Niederschlag in einer eigenen Kompilation gefunden.
Nachdem der umtriebige Frankfurter DJ Shantel die Musik des ehemaligen Jugoslawiens und Osteuropas als hippe Alternative zum allgegenwärtigen Computer- und Plastik-Pop mit den „Bucovina Club“-CDs etablieren konnte, hat nun auch der Berliner Balkan Beats- DJ Soko seine Lieblingstitel auf einem Album veröffentlicht.
Die ganze Lebensfreude und die musikalische Kraft der südosteuropäischen Partymusik findet sich gebündelt in 15 Songs. Von den Stars der Gypsy-Brass Szene, wie Boba Markovic, Mahala Rai Banda und der Fanfare Ciocarlai, bis hin zu den neuen Folk-Pop-Acts, wie Magnifico, Ssassa, Let 3 und Yugoton reicht das Spektrum.

Eine Kompilation, die Spaß macht. Sorgt für gute Laune in der Radio MultiKulti Musikredaktion !

Balkan Beats (Sound & Image, 06/2005)

In Berlin tobt der Bär.

Die legendären Russendisko-Parties haben nun endlich ein kräftiges Gegengewicht: die BalkanBeats-Parties.
Ursprünglich entstanden aus einer Überlebensstrategie einiger emigrierter Jugos, die dem mörderischen Treiben in ihrer Heimat Anfang der 90er entkommen wollten und in Berlin ein neues Zuhause suchten.
Mittlerweile hat sich dieses Kreuzberger Kultur-Recycling der jugoslawischen Art zu einem multinationalen Event gemausert, wo das völlig selbstverständlich praktiziert wird, wovon viele auf dem Balkan immer noch träumen, wenn sie einigermaßen helle im Kopf sind: dem friedlichen Zusammenleben von verschiedenen Religionen und Völkergemeinschaften.
Was im Berliner Mudd-Club, dem Treffpunkt dieser sympathischen Idealisten, alle 14 Tage abgeht, ist auf dieser CD zumindest teilweise zusammengefaßt. Denn nach 53 Minuten, wie auf dem vorliegenden Tonträger, ist die Sause dort natürlich noch lange nicht zu Ende. Fortsetzungen dieser Serie werden also hoffentlich schon in Planung sein, dürften auch weggehen wie warme Schrippen, wenn diese erste Lunte erst einmal so richtig am Glimmen ist. Zur Explosion kommt es dann ganz von alleine. Denn wer diese Mucke scheiße findet oder uninteressant, der hat wahrhaftig einen mittleren Programmierungsfehler im Gehirn.
15 Tracks und 15 Volltreffer.

DJ Robert Šoko und sein Team haben da weiß Gott ein Repertoire aufgefahren, das es in sich hat, selbst wenn da ein paar Titel rotieren, die schon seit längerem auf dem Markt sind. Völlige Nebensache, das, denn die polnische Version von Bregovic’s „La Passatella” von 1999 bläst einem auch 2005 noch wie ein Orkan durchs Gehör und selbst die griechische Adaption von „Mesecina” von 1997 gehört zur anerkannten Grundausstattung aller Roma-Fans. Weitere unumstrittenen Autoritäten auf diesem Furioso Balkaniensis: Fanfare Ciocarlia, Mahala Raï Banda, Boban Markovic, Besh O Drom und Frank London. Der Klou kommt aber erst noch: sechs Acts, von den hierzulande bisher wohl kaum einer Wind bekommen hat, sind das wahre Würzmittel dieser CD. Sie kommen aus Slowenien, Kroatien oder Serbien, oder sind ein ethnisches Vielvölkergemisch. Ihre Musik ist eine kuriose Mischung aus Traditionellem und Urbanem, aus Balkan-Punk und Underground-Folk, und steht mit ihren provokanten Elementen ganz im Gegensatz zu den fast schon wieder herkömmlich wirkenden Hi-Speed-Gypsy-Bläsern. Zu begutachten auf zwei völlig durchgeknallten Videos, die dieser CD mit beigepackt sind.
So, und nu?
Es ergeben sich zwei Alternativen: entweder Platte kaufen oder nach Berlin fahren. Wir raten: am besten beides.

Balkan Beats (The Observer , 06/2005)

This is the album I needed when I played records at the Big Chill for the first time, two years ago.
I don’t know about you, but I thought the Big Chill was all about mellow grooves in the summer sun, and that’s the kind of record I had in my box. But after two cool cuts I was faced by two young women, demanding that the music be more exciting, something to drive them wild.
The rest of the set was a slightly panicky search for the few fast songs that I happened to have with me. This year, with this album in my hand, I’ll be more than ready for those dancing dervishes if they come back for more.

We don’t see a lot of dance music among the albums that make the top ten each month here in the Observer Music Magazine. In general, the people who write about music are not the kind of people who get out on the dance floor and lose their head for a while. Or if they are, they can’t remember what it felt like, by the time they’ve recovered and try to think of wise words to describe the music. There was nobody writing about ‚In the Midnight Hour‘ when that was the best dance record of its year, or ‚The Israelites‘, or even ‚YMCA‘. But if any of those records has ever drawn you to the dance floor, here’s the collection to get you back there.
Balkan gypsy music basically has two speeds – breathlessly fast and heart-stoppingly slow. BalkanBeats virtually dispenses with the slow ones, so the whole thing is a bit like Madness on speed. One strand of the music is called Turbo, a sort of post modern disco music, with a four-to-the-floor drum on quite a few tracks, and an Abba-style chorus on others. But the wild horn arrangements and manic singing dispel any thought of slick formulas, and you flail around the room, glad that somebody somewhere is unashamedly offering you a good time, no strings of self respect attached.

The opening track is the perfect prelude, simultaneously absurd and ferocious. The song’s title ‚Hir Ai Kam, Hir Ai Go‘ is a jokey misspelling of ‚Here I Come, Here I go.‘ After a delirious instrumental introduction, a man with an impossibly low voice strings together a list of the places Romany gypsies have moved to, preferring names that end in ‚a‘ – Roma, Italia, Scandinavia, Siberia, America, Australia. Throw in a few other words ending in ‚a‘ – familia, marijuana, export-import diaspora, Turbomania – and you’ve got a song. The artist name is Magnifico & Turbolentza; serious they are not.

As far as I can tell, about half the artists could claim some semblance of credibility, being roped in here because they happen to have made a wild track that fits the compilers‘ intentions. Other projects are deliberately daft side shoots by more serious rock and pop musicians, but you can’t always tell the difference. There are at least three that I skip over, but partly to get to the good ones more quickly. If you find a place where you can try before you buy, check ‚Meggyújtom a pipám‘ by Besh O Drom (from Hungary, track 2) with a very good female singer (not named in the notes) and ‚Kemes‘ by Sanja & Balkanika (Serbia, track 12), an extraordinary blend of an unusual stringed instrument, Bulgarian voices and wild drumming.
Where reggae and funk once trod the dance floors, Turbomania stomps with mighty steps. See you in your dancing boots in the Mardi Gras Tent at the Big Chill, Sunday 7th August.

Author: Charlie Gillett

Balkan Beats (Schrillerille 06.2005)

Nichts für müde Menschen sind die Diskos, die zweimal monatlich im Berliner Mudd Club stattfinden. Hier donnern seit über zehn Jahren Gypsy Grooves, Tribal Beats, rasende Kapellen und Balkan Ska, aufgelegt von DJ Robert Soko, über den Tanzboden.
Einen Eindruck dieser Partys und vorallem der vielfältig und -farbigen Musik des Balkans bietet das Album «Balkanbeats». Moderne, urbane Stücke wie «Hir ai kam, Hir ai go» oder meine innig geliebten Kultur Shoks sind ebenso auf dem Album vertreten wie die klassischen Blasorchester wie Fanfare Ciocarlia, Karandila oder Boban Markovic Orkestar.
Fazit:
Wunderschöne Zusammenstellung des DJ Robert Soko mit einigen bekannteren und vielen hier eher unbekanteren Bands. Ein Album, das durchs Band in die Beine geht und süchtig macht.

Nacht der Republik (taz, 10.09.2004)

Im Mudd Club drängen sich rhythmisch wogende Körper aneinander. An den Tischen rundherum sitzen kleine Gruppen zusammen, man klatscht in die Hände oder schwenkt die Arme. Ein paar Jungs in der Ecke grölen den Refrain des serbischen Punkstückes mit, das gerade läuft. Von der Backsteindecke tropft kondensiertes Wasser. Der Balkan ist im Haus.
Nicht nur auf deutschen Konzertbühnen sind Balkan-Styles zurzeit sehr angesagt. Der Bucovina Club des DJs Shantel, der vorzugsweise in Opernhäusern gastiert, ist bereits Legende. Doch der Gegensatz zu den Balkan Beats im Mudd Club könnte kaum größer sein. Hier im feucht-stickigen Keller ist es nicht gefällig abgemischte Instrumentalfolklore, sondern Musik von Punkbands wie KW aus Belgrad oder der Skaband Trovaci, zu der die Tanzenden lustvoll aufschreien.

Zwar spielt der DJ das Stück „Bucovina“ vom gleichnamigen Shantel-Album, aber eben auch Rockmusik und Punk aus Bosnien, Kroatien und Serbien – Reminiszenz an die eigene Herkunft. DJ Robert Soko stammt aus der bosnischen Industriestadt Zenica, ein Stahlwerk mit Plattenbauten drumherum. Er ist halb Kroate, halb Serbe und kam Ende der Achtzigerjahre nach Deutschland, lange bevor 1992 in Bosnien der Krieg ausbrach.

Als Robert Soko Mitte der Neunziger zusammen mit dem Journalisten Rüdiger Rossig die Balkan Beats gründete, setzte sich das Publikum bereits aus bosnischen Dissidenten und Kriegsflüchtlingen zusammen. Unregelmäßig feierten sie Partys in der Kreuzberger Punkkneipe Arcanoa – an einem Ort, der zum Treffpunkt und zur Kontaktbörse derjenigen Kroaten, Serben, Bosnier wurde, die sich keiner Kriegspartei zurechnen wollten, sondern sich nach wie vor als Jugoslawen verstanden.

Roberts Frau Tanja stammt ebenfalls aus Zenica. Die Stadt wurde während des Krieges zur Basis der moslemischen Kriegspartei. Als Serbin wurde die damals 18-Jährige zur Flucht gezwungen. Bei den Balkan Beats in Berlin fühlte sie sich erstmals wieder zu Hause. „Unser Publikum hat bewiesen, dass wir nicht unnormal sind, weil wir uns nicht als Serben, Kroaten oder Moslems deklariert haben“, sagt sie. „Und das heißt, dass dieses jugoslawische Wirgefühl wirklich existiert hat. Nicht alle wurden damals Nationalisten.“

Bis heute hat sich die Vielvölkermischung bei den Balkan Beats erhalten. Seit einigen Jahren verzeichnet Robert Soko auch beim deutschen Publikum ein wachsendes Interesse. Ein Trend, den der DJ im Spannungsfeld zwischen Schrecken und Neugier verortet. „Hätte es den Krieg nicht gegeben, wären wir nicht so interessant geworden“, glaubt er. Dazu kommt sicherlich die Romantisierung Südosteuropas durch Filme wie die von Emir Kusturica. Mit ihren überzeichneten Klischees und extremen Figuren haben sie einen neuen Balkanexotismus begründet.

Bei den Balkan Beats werden aber auch die Werte des Titoschen Jugoslawiens hochgehalten. Wie zu alten Zeiten feiert man außerdem den sozialistischen Jahrestag „Dan Republike“, den Tag der Republik. „Als ich Teenager war, mochte ich Tito nicht“, sagt Robert Soko. „Aber als ich gesehen habe, was nach Titos Tod in Jugoslawien passiert ist, habe ich angefangen, seine Qualitäten zu entdecken.“ Trotzdem will Robert Soko seine Tito-Verehrung natürlich nicht ganz ernst genommen wissen – wie auch nicht den Kult um die sozialistischen Feiertage. „Wir haben aus Witz angefangen, diese Feste zu feiern. Wir haben ein Tito-Bild aufgehängt, alte Daten reaktiviert wie ,Tag der Republik‘, ,Tag der Jugend‘ und gefeiert. Das Feedback war sehr gut. Wir sind immer noch überrascht, wie viele an diesen Tagen kommen.“

Das zunehmende deutsche Publikum beschert den Balkan Beats einen neuen Boom. Was nicht zuletzt daran liegt, dass sich auch Robert Sokos Musikgeschmack im Laufe der Zeit gewandelt hat. „Wir haben jahrelang einfach nur Punkmusik aufgelegt, und dann haben wir feststellen müssen, dass die Leute zum Beispiel zu Goran Bregovic Blasmusik tanzen.“ Zudem wechselt der Ort: künftig jeden zweiten Samstag im etwas schickeren Oxymoron in den Hackeschen Höfen.

Robert Soko legt eine neue Scheibe auf. Nach serbischem Punk und einer Hymne auf das schöne Montenegro läuft ein Hochzeitslied aus Mazedonien. Schmerzhaft, eindringlich, mitreißend. Die Tanzenden heben die Arme und verdrehen die Hände. Die Nacht wird noch lang.

Autor: Mirko Heinemann