Figli di Madre Ignota – Presse

Heißer Auftakt in der Arena

Italiener zwischen Mambo-Swing und Balkan-Brass

VON GUNTHER GENSCH

Paderborn. Bunte Ballons und ein breites quer gespanntes Band mit der Aufschrift: ‚Libori-Arena’ weisen den Weg zum bestens bekannten Franz-Stock-Platz, Treffpunkt der Familien schon am Nachmittag zu den Theaterprogrammen für die Kleinen und abends zu den Musikprogrammen für die Großen.

Zum frisch gezapften Bier sind es nur ein paar Schritte, nach links zum ‚einzig Wahren’, nach rechts zu ‚König Ludwigs Weißbier’, geradeaus gleich der nächste Imbissstand und in der Mitte die obligate Riesenbühne mit der Zweitausend-Watt-Anlage. Davor der ‚Room to Move’, Platz zum Hampeln und Abzappeln, am Samstag um halb neun erst spärlich bevölkert, die Hörplätze auf der großen Freitreppe jedoch schon voll besetzt. Man erwartet die Rock- und Spaßband ‚Söhne der unbekannten Mutter’, ‚Figli di Madre Ignota’ – la banda milanese.

Es geht auf Neun und kein Regen mehr, die unbedachte Libori-Arena füllt sich mit allen Lebensaltern, das ‚Stammpublikum’ aus den vergangenen Jahren neben den Neubesuchern in fröhlicher Erwartung, rund fünfhundert Sitzende und Stehende zum Rockereignis am ersten Liboriabend.

„Subito, subito – gleich, gleich geht’s los,“ meint auf Befragen Gitarrist Donato Brienza mit Lederhelm, Fliegerbrille und voller Tatendrang.

Plötzlich kommen sie alle zur Bühne gelaufen, acht südländische junge Männer, strotzend vor Energie und Lebensfreude. Drei Gesellen in orientalischem Outfit mit roten Pluderhosen und Käppi, die Posaune (Massimo Piredda), die Trompete (Stefano Iascone) und die Kanne (Fabio Cardullo) gestikulierend in der Hand. Die E-Gitarristen, Donato Brienza – immer noch im Flieger-Look -, Marco Pampaluna mit Hut und E-Bassist Andrea Castelli mit offenen Lockenhaaren wie auf Albrecht Dürers Selbstporträt. An der Batterie sitzt Christiano Novello und an der Rampe steht Zorro, Frontman und heiserer Sänger Massimo Marini.

Und dann brodelt es los im Kessel der Libori-Arena, kräftiger mitreißender Punk-Rock geht durch den ganzen Körper in Zwerchfell massierender Lautstärke. Die Band aus Mailand nennt ihren Stil ‚Spaghetti Balkan’ in Anlehnung an die ‚Spaghetti-Western’ und eine exotisch-orientalische Unterhaltungsmusik aus den sechziger Jahren. Schmissige Bläsersätze zwischen Mambo-Swing und Balkan-Brass ergeben mit Rock’n’Roll-Gitarren eine spezielle Fake-Folklore, gewürzt mit Filanda und Tarantella.

Das alles in einem Topf verrührt und zum Kochen gebracht, mit italienisch-englisch-kroatischen Textfetzen semantisch untermauert, gerät zu einem reißerischen Bastard-Sound. Das Publikum bekommt eine Vitalitätsspritze versetzt, es geht die erste Stunde mit ungebremster Energie voll durch, danach eine kurze Rauchpause und weiter im Programm mit den Favoriten aus ‚Fez Club’, ihrem dritten CD-Album.

Eine weitere laute Stunde und keine erkennbare Erschöpfung, die Bläser mischen sich lachend unter die Leute, ‚Hava Nagila’ erklingt und leitet in die erste Libori-Sommernacht.

Copyright © Neue Westfälische 2009

http://www.nw-news.de/lokale_news/paderborn/paderborn/?em_cnt=3046822&em_loc=163

REVIEW: Fez Club @ TRUST

Mit weit ausholender Geste reisen diese gutgelaunten Herrschaften aus

Mailand alles an sich, was einen netten Abend unter Freunden zu einer

ausschweifenden Party machen kann. Polka, Klezmer, Surf und Rockabilly,

Swing und Tarantella, besungen in einem Sprachenmix aus Italienisch, schwer

akzentuiertem Englisch und Serbokroatisch sind die Zutaten zu diesem

Gebräu. Der Bandname spielt an auf eine offizielle italienische

Bezeichnung für Waisenkinder, deren Eltern nicht bekannt werden wollten

und ist zugleich der Verweis auf eine verschüttete Traditionslinie

italienischer Musik aus den 60er Jahren, als Musiker wie Renato Carosone

und Fred Buscaglione den humorvoll-hippen Soundtrack zur Zeit spielten. Vor

allem auf diese beriefen sich die Figli di Madre Ignota in ihren

Anfangszeiten, bevor sie die Energie der Blaskapellen vom Balkan und die

Melodien des Klezmer entdeckten, die sie mit Rock-Energie ihrer Musik

einverleibten.

(stone)

Eastblok/Indigo

(Ausgabe 133)

[Rückblick] Figli di madre ignota – verrückter Balkan-Surf aus Italin

Von Stephanie Gerlich

Sonntag, 15. Februar 2009

Figli di madre ignota (Söhne einer unbekannten Mutter – Bastarde) gaben ihr erstes Gastspiel im Treibsand. Erfreulich viele Besucher waren gekommen, um die Italiener aus Mailand mit dem Hang zum Balkan-Sound kennen zu lernen. Der dreiköpfige Brass-Abteilung hatte sich passend zum aktuellen Album „Fez Club“ gewandet: mit Fez und typisch orientalischen Pluderhosen (wie heißen die Dinger eigentlich? Sarouel?). Sänger „Zorro“ Massimo Marini trug den edlen Zwirn italienischer Canzoni-Sänger und Gitarrist Donato Brienza ging mit Fliegerhaube und –brille ans Werk. Schräge Outfits und eine witzige Bühnenshow sind die Markenzeichen der Figli. Und dann, diese Musik – die Mischung, die sich in den Kostümen schon angekündigt hat. Ein bisschen Rock, aber eher humoriger Balkan-Swing. Die Klarinette bringt auch mal Klezmer mit, ein wenig orientalisch die neuen Stücke von ihrem aktuellen Album „Fez Club“. Neben einer musikalisch absolut sauberen Leistung schaffen es die acht Figli auch noch, reichlich kuriose Action auf der Bühne zu inszenieren von Verfolgungsjagden bis hin zu comicreifen Schlägereien.

Das Publikum kann gar nicht anders, als sich tanzend den wilden Balkan-Rhythmen hinzugeben und ausgiebig das Tanzbein zu schwingen. Nach rund einer Stunde verabschieden sich die Herren überschwänglich von der Bühne, nur um Minuten später in neuer Verkleidung aufzutauchen und die Vorstellung als sechs Bananen und ein Gorilla (der Drummer Cristiano Novello) und natürlich Canzoni-Frontman fortsetzen. Als ein technisches Problem die Show zu unterbrechen drohte, sprangen die drei Blechbläser kurzerhand von der Bühne und unterhielten die Zuschauer einfach mit einer bunten Instrumental-Einlage. Figli di madre ignota haben sich beim Treibsand-Publikum als ein ungeheuer party-freudige Band mit dem gewissen Etwas der Osteuropa-Klänge und kulturübergreifenden Melange vorgestellt. Da darf man hoffen, dass sie Lübeck nicht zum letzten Mal besucht haben. Wer die Balkan Spaghetti im Treibsand verpasst hat, könnte diese Begegnung am Freitag, 20. Februar 2009, im Hamburger „Uebel&Gefährlich “ nachholen.

Wilde Polka in Pluderhosen

Von unserem Mitarbeiter Georg Ahrens Bremerhaven.

Sie nennen sich „Figli di Madre Ignota“, die acht Musiker aus Mailand, die am Wochenende in den Pferdestall eingefallen waren. Der Name heißt soviel wie „Söhne einer unbekannten Mutter“, was in Italien die Bezeichnung für Waisen, die von ihren Müttern nicht anerkannt werden, ist – oder etwas weniger freundlich – mit „Bastard“ übersetzt werden könnte. Ein Bastard ist auch ihr Sound, ein wilder Mix aus Polka und Italo-Schmachtfetzen, aus Rumba und Rock.

Angetan mit weiten orientalischen Pluderhosen und auf dem Kopf den roten Fez, so waren die drei Bläser auf die Bühne gekommen. Der Rest der Truppe sah auch nicht besonders vertrauenserweckend aus und dann ertönte von der Bühne der Donauwalzer. Doch kaum hatten sich die Besucher verwundert angesehen, da ging da vorne wahrlich die Post ab. Die Jungs in den Pluderhosen bliesen nicht nur, was das Zeug hielt, sondern waren auch für jede Menge Show-Einlagen gut, der Sänger hauchte in bester Gigolo-Manier ins Mikro, die Rhythmus-Sektion sorgte für eine präzise Grundlage.

Titel und Texte gingen, in einer Kombination aus Italienisch und einem schlechten Englisch vorgetragen, eher unter. Aber den Saal brachten die Musiker zum Mitwippen und zum Tanzen.

Die Stücke hießen „Nema Problema“, „La Madre ignota Chiama“ oder auch „Boogie on the Beach“. Sie wurden gekonnt verpackt in einem fetzigen Mix aus wilden Polkas und spanischem Rock, aus Balkan- und Klezmermusik, aus Swing und Rumba und italienischen Canzoni-Oldies und vorgetragen von hervorragenden Musikern mit guten Soli der Bläser und Gitarristen, wofür es dann auch schon mal begeisterten Szenenapplaus gab. Erst nach mehreren Zugaben waren die Söhne der unbekannten Mutter mit ihrem Programm „Spaghetti Balkan“ und einige wilde Tänzer im Saal mit ihrer Kondition am Ende.

Artikel vom 22.02.09 – 13:31 Uhr auf nordsee-zeitung.de

Songlines March 2009
Songlines 03.09

Ultimo, 03.02.2009

Figli Di Madre Ignota

14.2., 21 h, Treibsand

Die „Söhne einer unbekannten Mutter“ sind eine Band aus Mailand, die eine witzige und überraschende Fusion aus Balkan und Klezmer-Musik mit Swing, Rumba und italienischen Canzoni der 50er und 60er Jahre zelebrieren. Die Band existiert inzwischen seit 8 Jahren.

Vor einigen Jahren nannten die italienischen HipHopper von Articolo 31 ihre Musik „Spaghetti-Rap“, um anzudeuten, dass ihre Art zu rappen sich von den amerikanischen Vorbildern unterscheidet und mit einer typischen italienischen Note versehen wird. Jetzt nehmen Figli di Madre Ignota das Wortspiel wieder auf und nennen ihre Musik „Spaghetti Balkan“. Live ist die Band ein Knüller, denn aufgrund ihrer Zusammenarbeit mit der Theatergruppe Banda Osiris sind die Shows nicht nur musikalisch ein besonderes Erlebnis.

Schallplattenmann, 12.01.09

Tipp der Woche

World/Mestizo – ‚Spaghetti-Balkan‘ aus Mailand
(CD; Eastblok)

‚Fez‘ steht bei der bunten Truppe von ‚Bastarden‘ (was der Bandname ‚Söhne einer unbekannten Mutter‘ bedeutet) aus Milano gleichermaßen für die klassisch-orientalische Kopfbedeckung wie für wahrlich grenzenlosen, musikalischen Spaß: Figli Di Madre Ignota revitalisieren den schwungvollen Italo-Pop der 1960er aus der Sicht heutiger Global-Punks, deren Blick nicht nur Balkan-wärts über die Adria hinaus reicht. Ihr drittes Album resultiert in einem energiegeladenen Mix aus wilden Polkas, aufgeschnapptem Klezmer, fiesem Swing, atemlosen Tarantellas, entfesselten Surf-Gitarren und wüstem Ska-Gebläse. Verwandt freigeistige Gäste im „Fez Club“ sind Manu Chaos italienischer Trompeter Roy Paci, der das Remake des 1980er-Jahre-Hits „Theme From Paradise“ produzierte, die schaurig-schöne Zirkuskapelle Circus Contraption aus Seattle sowie Italiens berühmte Parodie-Theatertruppe Banda Osiris.
Ein illustres Club-Happening, zu dem man sich leicht bekleiden sollte, denn unverschwitzt kommt man auch so garantiert nicht nach Hause! [bs: @@@@]

Schallplattenmann

Haller Tagblatt 15.12.2008

Elektrisierend, wild und ungehobelt: Acht global Player laden zum Tanz

Kinder die von ihren Müttern nicht anerkannt, weggegeben oder ignoriert werden nennt man in Italien „Figli di Madre Ignota“.

Ganz passend ist der Name dieser achtköpfigen Band nicht, denn die Musik der Mailänder hat nichts Verstoßenes, im Gegenteil – sie sucht sich ihre Mütter auf dem Globus selbst zusammen: bevorzugt auf dem Balkan, im Süden Italiens und in den Sumpfgebieten Louisianas.

Oder anders gesagt,: Man hat es hier mit einem wilden Mix aus Polka, Klezmer, Surf, Swing, Brass und Tarantellas zu tun – und das Ganze immer in hohem Tempo, versteht sich. Nicht ganz zufällig ist auf dem seit 1999 vierten Album von Figli di Madre Ignota ein prominenter Gast dabei: Robert Paci, lange Jahre Trompeter bei Manu Chao. Was dieser mit dem globalen Hit Bonga Bong für die Weltmusikszene Ende der 90er war, das könnten Figli di Madre Ignota jetzt schaffen – wenn man sie nicht ignoriert.

Fazit: Eine Platte für lange Partynächte – mit absoluter Spaßgarantie

Holger Ströbel

WESTZEIT

Eastblok Music/Indigo

Die italienischen Findelkinder titulieren schon im opener ihre Musik als „Spaghetti Balkan“. Nicht ganz falsch, vermischt der Achter doch hemmungslos Tarantella, Mariachi, SurfPop, Klezmer, Ska und – genau! – BalkanBlasManie. Dazu singen sie in Sprachen, die man evtl. als Italienisch, Englisch und Serbisch identifizieren könnte. Doch längst ist ein jeder den griffig-ungeraden Rhythmen verfallen und wartet auf den nächsten durchgeknallten Trompetensatz, sehnt einen weiteren verrückten Schwenk in Richtung Latin oder SwampRock herbei. Vielleicht muß man sich auch einfach mal den Schweiß abwischen. Bitte einsteigen in den „Falafel Express“!
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WESTZEIT

kulturkurier.de

Figli di Madre Ignota

The Spaghetti Balkan BandWitzige Fusion aus Balkan und Klezmer-Musik mit Swing, Rumba und italienischen Canzoni der 50er und 60er Jahre.
Ein Konzert in Kooperation mit Radio El Zapote

Die „Söhne einer unbekannten Mutter“ ist eine Band aus Mailand, die eine witzige und überraschende Fusion aus Balkan und Klezmer-Musik mit Swing, Rumba und italienischen Canzoni der 50er und 60er Jahre zelebrieren. Die Band existiert inzwischen seit acht Jahren und hat in diesem Jahr mit „Fez Club“ ihre dritte Platte veröffentlicht.
Vor einigen Jahren nannten die italienischen HipHopper von Articolo 31 ihre Musik „Spaghetti-Rap“, um anzudeuten, dass ihre Art zu rappen sich von den amerikanischen Vorbildern unterscheidet und mit einer typischen italienischen Note versehen wird. Jetzt nehmen Figli di Madre Ignota das Wortspiel wieder auf und nennen ihre Musik „Spaghetti Balkan“.
Und in der Tat hat ihre Musik etwas, was sie von den vielen anderen Bands, die heutzutage „Balkan-Musik“ spielen, gewaltig unterscheidet. Da ist beispielsweise die Gitarre, die eine kräftige Prise Surf-Rock hineinbringt oder die Bläsersektion, die Elemente des Swings einfließen lässt. Mal huldigen sie den alten italienischen Canzoni-Sängern wie Fred Buscaglione oder Renato Carosone, dann fühlt man sich an die Surf-Klezmer-Band Boom Pam erinnert, um im nächsten Lied eine Verwandtschaft mit den spanischen Rumba-Rockern von Muchachito Bombo Infierno herauszuhören.
Live soll die Band aber noch um Längen besser sein, was bestimmt auch mit ihrer Zusammenarbeit mit der Theatergruppe Banda Osiris zu tun hat.
Figli Di Madre Ignota sind also ein Haufen Jungs aus Mailand, mit Pardo-Fez auf, und jeder Menge Humor im Kopf. Gibt man ihnen Instrumente in die Hand, kommt dabei ein treibender Mix aus schlitzohrigem Balkan, bösen Polkas, atemlosen Tarantellas und gemeinem Swing heraus, der sich seltsam passend zu surfigen E-Gitarren und einer druckvollen Bläser-Sektion gesellt. Kurz gesagt Musik zum Abzappeln mit einer elektrisierenden und ur-komischen Live Show – eben Spagetti-Balkan.
Im Anschluss Tanz mit dem Radio El Zapote Soundsystem & Global WorldBeats.

www.kulturkurier.de

melodie& rythmus, 12/08

Eigentlich liegt Mailand ja nicht auf dem Balkan, doch gibt es nun nachweislich eine enge musisch-laute Verbindung. Diese wurde von Figli Di Madre Ignota aus Mailand etabliert. Auf dem spaßig tönenden musikalischen Weg zwischen Balkan und Milano entstand ihr neues Album im Balkan-Spaghetti Sound. Ein Mix nach dem Motto: Von jedem etwas aber mit voller Power. Außer Balkanklängen wurden Klezmer, Zirkusmusik, Ska, Swing, Polka, italienische Rootsmusik und was nicht noch alles mit Bläsereinlagen und rockenden Gitarren integriert.

„Die Söhne einer unbekannten Mutter“ sind eine Kraftmaschine, die einem das Tanzen reinweg aufzwingt. Ein gelungenes Album, das in dieser Mischung verschiedener Genres, so melodisch eingespielt, kaum seinesgleichen finden wird(vov)

Fazit: Total Verrückt, lebensfroh und sehr innovativ, hebt sich von allen Bands dieser Stilrichtung ab.*****

Funkhaus Europa, WDR – Portrait Figli Di Madre Ignota

Als italienische Regisseure wie Sergio Leone in den Sechzigerjahren begannen, ihre eigenen Westernfilm-Versionen zu drehen, wurde dieses Genre spöttisch zum „Spaghetti Western“ getauft. Die Band „Figli di Madre Ignota“ aus Mailand bezeichnet ihren Stil nun als „Spaghetti Balkan“, um deutlich zu machen, dass sich ihre Musik durch eine besondere italienische Note auszeichnet. Tatsächlich ist die Musik des Balkans nur eine von vielen Quellen, aus denen die „Söhne einer unbekannten Mutter“ schöpfen, um in diesem Sud ihre ganz eigenen Nudeln zu kochen. Die achtköpfige Kapelle aus Mailand präsentiert sich gerne sie eine Nachtclub-Band aus einem zwielichtigen Schuppen, in schwarzen Anzügen, Lackschuhen und orientalischem Leopardenmuster-Fez auf dem Kopf. Sie greifen damit auf jene exotischen Orient-Fantasien zurück, die schon in die Unterhaltungsmusik der 50er und 60er Eingang fanden. Aus schmissigen Bläsersätzen, die zwischen Mambo-Swing und Balkan-Brass schillern, aus Surfgitarren und schmutzigem Rock’n’Roll entwerfen sie ihre eigene Fake-Folklore. Dieses Potpourri würzen sie mit den Rhythmen des Balkans, einer Prise Ska sowie süditalienischer Tarantella. Deutlich hört man die Einflüsse aus Klezmer, Cabaret-Songs und den italienischen Canzoni der 50er und 60erjahre heraus; manchmal ist auch eine Ukulele oder eine Steel Guitar zu vernehmen. „Figli di Madre Ignota“ bedeutet so viel wie „Söhne einer unbekannten Mutter“: So wurden früher in Italien von offizieller Seite jene Waisenkinder bezeichnet, die nicht von ihren Müttern angenommen wurden. Meist waren diese Kinder außerehelichen Beziehungen entsprungen. Der Name passt, denn mit ihrer musikalischen Promenadenmischung nehmen die „Figli die Madre Ignota“ auch keine Rücksicht auf kulturelle Herkunft oder authentische Traditionen. Sie werfen einfach alles in einen Topf und verrühren es zu einem rockigen Bastard-Sound. Einziges Kriterium: die Songs müssen treibend und tanzbar sein. Nach dem Zusammenbruch des Ostblocks sind die Grenzen zwischen Norditalien und Kroatien als Tor zum Balkan durchlässiger geworden. Doch es hat einige Zeit gedauert, bis sich diese Entwicklung auch musikalisch nieder geschlagen hat. Die „Figli di Madre Ignota“ sind das erste Produkt dieser Öffnung. Kulinarische Metaphern liegen nahe, um ihre Musik zu beschreiben, denn auch die „Figli“ haben ein ausgesprochenes Faible fürs Essen: mehrere ihrer Songs drehen sich um Gerichte wie Falafel, Risotto, Paella und Kebap. Ihre Musik erinnert an Bands wie Boom Pam aus Israel, die ja auch gerne von Souvlaki singen, oder Muchachito Bombo Infierno und deren „Rumba Rock“ aus Barcelona, aber auch an die ironischen Strizzi-Chansons ihres italienischen Kollegen Tonino Carrotone. Würde es sich bei ihrer Musik um einen Film handeln, müsste man ihn als eine Mischung aus Federico Fellini, Emir Kusturica und Quentin Tarrantino beschreiben. Zu ihrem Song „Paradise“ haben die „Figli“ ein Video produziert, dessen schwarz-weiße B-Movie-Ästhetik an alte Gruselfilme erinnert; das Cover ihres neuen Albums ist im Comic-Look der 50erjahre gehalten. Damit zeigen sich die „Figli di Madre Ignota“ als kundige Archäologen einer vergangenen Trash-Kultur. Vor neun Jahren haben sich die „Figli di Madre Ignota“ zur Band formiert. Ihr erstes Album „Orangotangotopless“ erschien 1999 noch als selbst produzierte Demo-CD, und wurde auf Konzerten in Kroatien und Nord-Italien verkauft. Seit zwei Jahren arbeiten die „Söhne einer unbekannten Mutter“ nun mit der italienischen Theatergruppe Banda Osiris zusammen, die für ihre witzige und parodistischen Shows bekannt sind. Mit ihrem dritten Album „Fez Club“ empfehlen sie sich nun auch in Deutschland, bald soll die Band auch für ein paar Konzerte über die Alpen kommen. Höchste Zeit, schon mal die schwarzen Anzüge und den Fasching-Fez aus dem Kleiderschrank zu holen.

AutorIn: Daniel Bax

Funkhaus Europa, WDR

Musikmarkt 39/2008

Hier herrscht geballte Energie! Figli Di Madre Ignota gehen von Beginn ihres neuen Albums an in die vollen: ein Mix aus Klezmer, Balkan-Bläser, Polka, Rock und Ska.

Die italienische Combo legt mit „Fez Club“ ihre dritte CD vor. Und die ist eine charmante Einladung zum Tanzen – wild, ungehemmt, leidenschaftlich. Genauso geben sich auch die Musiker, die auf Italienisch, Serbisch und Englisch singen und diese Internationalität auch musikalisch durchhalten.

Verrückt, sexy, hörenswert!

(jk)

WOM Review November 08

Es ist wahr, wir werden von Balkan-Bläsern regelrecht überrollt. Und manche, wie die Figli di Madre Ignota, stammen nicht mal von dort.

Die mutterlosen Gesellen brauen ihren Multikulti- Mix aus Polka und Punk mit einer Extraportion Ska und einem Schlag Dixieland in Mailand zusammen. Aber ist die Volxmusik des Ostens nicht schon wieder passé? Nun, wer Bewegung auf der Tanzfläche will, sollte keine Spaßverderber- Fragen stellen, sondern die dritte CD der Figli auflegen. Kurzweil zwischen Russendisko und Ska-Revival mit exotischer Würze ist garantiert – in launigen, mal karibisch, mal orientalisch angehauchten Ohrwürmern à la „Falafel Express“.

Autor: Wolfgang Zwack

Weiterhören: Roy Paci, Goran Bregovic, Manu Chao, Gogol Bordello

blue rhythm (Jazz thing) – Nummer 38 – Herbst 08

Wer noch nicht wusste, dass der Orient beziehungsweise der Balkan bis tief in die Po-Ebene reicht, der wird mit dieser CD eines besseren belehrt.

Der Fez-Club der Figli Di Madre Ignota verbirgt sich irgendwo in der Altstadt von Mailand und gibt allerlei wundersame Vibrationen von sich. Gypsy-Brass, Klezmer, Ska, Surf und Tarantella wild durcheinander – heiß, schweißtreibend und unbedingt tanzbar. Die (acht) Söhne einer unbekannten Mutter (so der Bandname auf Deutsch) manchen sich einen Spaß daraus, italienische Roots-Musik der 1960er-Jahre als Ausgangsmaterial für ihr skurriles Soundgebilde zu nehmen. Dass da vom Endprodukt nicht mehr allzu viel davon übrig bleibt, ist zweitrangig. Hauptsache, der Mercato rockt, das Tempo stimmt und die Spaghetti verkleben mit Cevapcici und Falafel. Als Gäste haben die FDMI u. a. den Circus Contraption aus Seattle am Start, und Manu-Ciao-Produzent Roy Paci sorgt für eine adäquate Klangausbeute. Da bleibt kein Auge trocken und kein Hüftgelenk unbewegt. Der Flaschengeist aus Aladins Wunderlampe hat hier ganze Arbeit geleistet.

(hma)

20cent. 29.10.2008

29.10.2008 00:00
Abgehört: Fröhliche Italiener feiern im Fez Club

Diese Musik klingt wie eine Sammlung lustigster Urlaubserlebnisse. Gleich der erste Song Spaghetti Balkan dreht so richtig auf.

Bläsersätze wie im Balkan werden von der Mailänder Band Figli Di Madre Ignota mit einem skurrilen Text kombiniert, in dem sich alles um die Bestellung eines Touristen im Ausland dreht – und das in mehreren Sprachen, oder besser Sprachfetzen.

Fez Club nennt sich das Album dieser Combo. Ihr Name heißt auf Deutsch: Söhne einer unbekannten Mutter. Das ist natürlich Programm. Zumindest musikalisch weigern sich die Figli, an nur einer Mutter zu orientieren. Sie spielen mit Balkan-Beats, adaptieren Surf-Sound, rauben Klezmer-Einflüsse und mixen das alles mit Polkas und Swing-Elementen.

Wer sich das nicht wirklich vorstellen kann, muss aber zumindest neugierig geworden sein. Denn die Musik ist kraftvoll, schwungvoll oder einfach nur atemberaubend.

Fez Club ist das dritte Album der Figli Di Madre Ignota. Dass sie in Deutschland vom Label Eastblock Music vertrieben werden, ist folgerichtig. Denn sie schwimmen auf der Welle der Balkan-Beats. Aber sie würzen ihre Musik zu einem ganz eigenen Sound. Wunderbar!

Andreas Oppermann, 20 cent

Afterdark.de

Fez Club Figli Di Madre Ignota sind hier, um den Affen zum Tanzen zu bringen! – besser lässt sich die Musik von Figli di Madre Ignota wohl nicht beschreiben. Sie kommen aus Mailand, Italien. Die bunte Truppe spielt einen energiegeladenen Mix aus Balkanmusik, wilden Polkas, aufgeschnapptem Klezmer, fiesem Swing und atemlosen Tarantellas. Das Ganze bereitet sie mit Surf-Gitarren und einer großzügigen Bläser-Sektion zu. Empfehlung.

afterdark.de

echoes-online.de , 26. Oktober 2008

Die Figli Di Madre Ignota tauchen in Cartwrights Buch jedoch ganz gewiss nicht auf, stammen sie doch nicht aus Iasi oder Kragujevac, sondern: Mailand. Spaghetti Balkan als selbstbehauptete Genrebezeichnung drängt sich da auf, denn wie in den Siebzigern der amerikanische Western gegenüber dem italienischen Nachbau spießig und unoriginell erscheint, weil die Spaghettiwestern, der patriotischen Pflicht enthoben, einfach wesentlich zynischer und respektloser mit Personen und Motiven umzugehen wussten, so lassen Figli Di Madre Ignota sich nicht auf spicy Blasmusik und orientalische Violinenexzess reduzieren. Die gibt es natürlich auch, zu Genüge und zum größten Vergnügen. Aber halt auch funky Bassläufe und Rockismen, die Fez Club (Eastblok Music) zum Tanzen in die Siebziger schicken, vom verwirrenden englisch-italienisch-serbischen Sprachmix abgesehen.
Im Ansatz vergleichbar sind die Herren wohl besser mit Gogol Bordello als mit Fanfare Ciocarlia und Boban Markovic. Deren Intensität dann auch nie so ganz erreicht wird. Dennoch: Wer einmal angefangen hat, hierzu zu tanzen, wird bis zum letzten Stück nicht mehr aufhören können. Mit oder ohne Bier. Und dann ist da ja noch dieses obskure Klezmer-Freakout Sandoman, das von einer Balkan-Zirkuskapelle namens Circus Contraption gespielt wird. Die stammt nicht aus Skopje oder Stara Sagora, sondern: Seattle. Aber das ist nun wirklich eine ganz andere Geschichte…

Steffen Greiner , echoes-online.de

Notes, 11/08, #147

Musik ungeklärter Herkunft

Figli Di Madre Ignota kommen aus Mailand. Die Spaghetti im Titel des Eröffnungsstücks ihres neuen Albums Fez Club überraschen also kaum. Kombiniert mit „Balkan“ erhält man eine Ahnung davon, wie es klingt. Allerdings ist das noch längst nicht alles, was es hier zu hören gibt. Mit weit ausholender Geste reißen sie (fast) alles an sich, was einen netten Abend unter Freunden zu einer ausschweifenden Party machen kann. Polka, Klezmer, Surf, Rockabilly, Swing und Tarantella, besungen in einem Sprachmix aus Italienisch, schwer akzentuiertem Englisch und Serbokroatisch sind die Zutaten zu diesem ansteckenden Gebräu.

Auf der Bühne zelebrieren sie das mit Fez und elegantem Anzug bekleidet – das Dolce Vita stets im Sinn, weshalb es nicht verwundert, dass ihre Texte immer wieder auch vom Essen handeln: Neben dem erwähnten Spaghetti Balkan gibt es da zum Beispiel noch den Falafel Express. Der Name spielt an auf eine offizielle italienische Bezeichnung für Waisenkinder, deren Eltern nicht bekannt werden wollten und ist zugleich der Verweis auf eine verschüttete Traditionslinie italienischer Musik aus den 60er Jahren, als Musiker wie Renato Carosone und Fred Buscaglione den humorvoll-hippen Soundtrack zur Zeit spielten. Vor allem auf diese beriefen sich Figli Di Madre Ignota in ihren Anfangszeiten, bevor sie die Energie der Blaskapellen vom Balkan und die Melodien des Klezmer entdeckten, die sie mit Rock-Energie ihrer Musik einverleibten. Eastblok veröffentlicht Fez Club nun weltweit neu in einer unter anderem um zwei Videos erweiterten Version, auf dass diese Musik auf dem Erdball neue Adoptiveltern finden möge – Wahlverwandtschaft ist he new family!

stone


Weltmusik Magazin, 20.10.2008

Figli Di Madre Ignota – Fez Club

Figli Di Madre Ignota stammen aus Mailand. Sie taten sich Ende der Neunziger Jahre zusammen. In ihrer Musik verschmelzen sie italienische Musik wie sie in den Sechzigern gespielt wurde mit der Musik des Balkan und mit Klezmer. Das Rückgrat stellt jedoch eine Rockband dar, die der Musik ein ungeheuer druckvolles Fundament verleiht, auf dem die weiteren Instrumente, vorwiegend Bläser, brillieren können.

Figli di Madre Ignota bedeutet wörtlich Söhne einer unbekannten Mutter. Dies war in Italien die offizielle Bezeichnung für Waisen von Frauen, die ihre Kinder nicht anerkennen wollten oder konnten. Ihre neue und bisher dritte CD “Fez Club” enthält eine Coverversion des Hits Paradise aus den Achtzigern. Produziert wurde die Version von Roy Paci (Aretuska, Manu Chao, Radio Bemba, Mau Mau und tausende andere), der hier auch Trompete spielt. Auch findet sich auf Fez Club eine Zusammenarbeit mit Circus Contraption, einer schaurig-schönen Zirkuskapelle aus Seattle sowie mit Italiens berühmter Parodie-Theatertruppe Banda Osiris. Textlich mischen sie Serbisch und Englisch mit Italienisch.

Das Ergebnis ist eine temperamentvolle Partymusik, die sehr belebend und ansteckend wirkt. Breite Bläsersätze werden gepaart mit zupackender Gitarrenarbeit und kräftigem Schlagzeugspiel. Darüber wilder Gesang und schnelle Soli der diversen Bläser.

www.welt-musik.net

taz, 19.09.2008

Der Spaghetti-Balkan

Ein paar Mailänder machen Balkan Musik.

Als italienische Regisseure wie Sergio Leone in den Sechzigern begannen, ihre Westernfilme zu drehen, wurde dieses Genre spöttisch „Spaghettiwestern“ getauft. Die Band „Figli di Madre Ignota“ aus Mailand nennt ihren Stil „Spaghetti-Balkan“. Doch tatsächlich ist die Musik des benachbarten Ostens nur eine der vielen Quellen, aus denen Figli Di Madre Ignota ihren Sud schöpfen. Mit ihrer Liebe zu Comics, B-Movies und Orientfantasien zeigen sie sich auch als Archäologen vergangenen Trashkultur. Wie eine schmierige Nachtclubband präsentieren sich die Mailänder in schwarzen Anzügen, Lackschuhen und mit Fez auf dem Kopf. Aus Mambo-Swing und Balkan-Brass, aus Surfgitarren, Ska und Rock n Roll entwerfen sie ihre eigene Fake-Folklore.

„Figli di Madre Ignota“ bedeutet „Söhne einer unbekannten Mutter“: So wurden früher in Italien jene Waisenkinder bezeichnet, die nicht von ihren Müttern angenommen wurden – meist waren sie außerehelichen Beziehungen entsprungen. Mit ihrer musikalischen Promenadenmischung nehmen die Figli die Madre Ignota auch keine Rücksicht auf kulturelle Herkunft oder authentische Traditionen. Wäre ihre Musik ein Film, er würde wie eine Koproduktion von Fellini, Kusturica und Tarantino aussehen.

DANIEL BAX

schoenetoene.blogger.de

Die „Söhne einer unbekannten Mutter“ ist eine Band aus Mailand, die eine witzige und überraschende Fusion aus Balkan und Klezmer-Musik mit Swing, Rumba und italienischen Canzoni der 50er und 60er Jahre zelebrieren. Die Band existiert inzwischen seit 8 Jahren und hat in diesem Jahr mit „Fez club“ ihre dritte CD auf den Markt gebracht (leider noch nicht in Deutschland).

Vor einigen Jahren nannten die italienischen HipHopper von Articolo 31 ihre Musik „Spaghetti-Rap“, um anzudeuten, dass ihre Art zu rappen sich von den amerikanischen Vorbildern unterscheidet und mit einer typischen italienischen Note versehen wird. Jetzt nehmen Figli di Madre Ignota das Wortspiel wieder auf und nennen ihre Musik „Spaghetti Balkan“.

Und in der Tat hat ihre Musik etwas, was sie von den vielen anderen Bands, die heutzutage „Balkan-Musik“ spielen, gewaltig unterscheidet. Da ist beispielsweise die Gitarre, die eine kräftige Prise Surf-Rock hineinbringt oder die Bläsersektion, die Elemente des Swings einfließen lässt. Mal huldigen sie den alten italienischen Canzoni-Sängern wie Fred Buscaglione oder Renato Carosone, dann fühlt man sich an die Surf-Klezmer-Band Boom Pam erinnert, um im nächsten Lied eine Verwandschaft mit den spanischen Rumba-Rockern von Muchachito Bombo Infierno herauszuhören.
Insofern ist die Musik von Figli di Madre Ignota eigentlich gar keine Balkan-Musik, da die Band so viele unterschiedliche Elemente verarbeitet, dass eine musikalische Einordnung einfach unmöglich ist. Dieser abenteuerliche Sound-Clash ist aber durchaus spannend und selten langweilig, auch wenn es insgesamt vom Tempo her etwas abwechslungsreicher klingen könnte. Insgesamt hört sich ihre neue CD „Fez Club“ wirklich vielversprechend an.

Live soll die Band aber noch um Längen besser sein, denn aufgrund ihrer Zusammenarbeit mit der Theatergruppe Banda Osiris sollen die Shows nicht nur musikalisch ein besonderes Erlebnis darstellen. Die deutsche Konzertagentur „agents 4 music“ hat die Band inzwischen unter Vertag genommen – bleibt zu hoffen, dass wir bald Figli di Madre Ignota live begutachten können…..

ednett, 5. Oktober 2007, 17:09